Borderline

Borderline: Sehr verbreitet unter Drogenkonsumenten

„(…) Wenn wir uns vorstellen, dass Pferde Gefühle sind, dann sitzen ‚normale’ Menschen auf einem alten Ackergaul und die ‚Borderliner’ auf einem Araber-Hengst. Er geht schnell durch, ist schwer zu kontrollieren und lässt sich nur langsam wieder bremsen. Reiten müssen alle Menschen lernen, aber die ‚Borderliner’ müssen Spitzenreiter werden (…)“

Die Definition der Borderline-Störung:

  • aus der Psychoanalyse stammendes theoretisches Konstrukt, mit dem versucht wird, eine Vielzahl von auffälligen Verhaltensweisen und Gefühlen zu erklären
  • Randphänomene im Grenzbereich zu den schizophrenen Störungen
  • Persönlichkeitstruktur, bei der Symptome einer Neurose und einer Psychose wechselnd auftreten

Symptome des Borderline-Syndroms auf 4 Ebenen:

Borderline
Borderline
  • Körperliche Ebene: Innerliche Hochspannung, Innere Leere, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen/Alpträume, Unwirklichkeitsgefühle/Gefühl vom Körper getrennt zu sein, Taubheitsgefühle, Ängstigende Wahrnehmungen, Vorstellungen und Bilder
  • Emotionale Ebene: Gefühlswirrwarr oder Gefühslüberflutung, Rasche Stimmungs-schwankungen zwischenAngst, Ärger und Depression, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit/Todessehnsucht, Angst-/Panikzustände, Schuld-, Scham-, Ekelgefühle, Wut und Ärger, Schwierigkeiten Gefühle überhaupt wahrzunehmen
  • Gedankliche Ebene: Selbstabwertung bis Selbstvernichtung, Versagensgedanken, Schuldgefühle/Selbstvorwürfe, Gedanken der Hilfs- und Hoffnungslosigkeit, Schwarz-Weiß-Denken, „Entweder-Oder“ und „Alles-oder-Nichts“-Denken
  • Verhaltens-Ebene: Sozialer Rückzug, Aufgabe von beruflichen und Freizeit-Interessen, plötzliche Kontaktabbrüche, Anklammerung und Vermeidung von Alleinsein, Beziehungs-Konflikte, Unfähigkeit, Hilfe anzunehmen, impulsive Handlungen, Selbstschädigung und Selbstverletzung, Suizidversuch(e)

Borderline-Persönlichkeitsstörung:

Dieser Auszug aus den Aufzeichnungen einer Betroffenen soll die zentrale Schwierigkeit vieler Betroffener verdeutlichen: Ihre Gefühle fahren Achterbahn und sie müssen lernen, diese zu steuern. Häufig sind deshalb die zwischenmenschlichen Beziehungen von Höhen und Tiefen geprägt. PatientInnen berichten vermehrt, dass sie ihre(n) Partner(in)
oder beste(n) Freund(in) lieben und im nächsten Augenblick eine starke Abneigung empfinden können. Dann kann es zu Abwertungen und unkontrollierten Wutausbrüchen kommen, die schnell in Scham und Schuldgefühle wechseln.

Die intensiven Gefühle oder in chronisches Gefühl der inneren Leere werden häufig mit impulsiven Verhaltensweisen bewältigt, die zu neuen Problemen führen. Dazu können u.a. unkontrolliertes Essverhalten, hohe Geldausgaben, Alkohol- und Drogenkonsum oder risikoreiches Verhalten im Straßenverkehr bzw. Sexualverhalten gehören.

Oftmals zeigen Patientinnen mit Borderline-Störung auch unterschiedliche Arten von selbstverletzendem Verhalten. Einige Betroffene haben gelernt, sich kurzfristig mit Suizidphantasien zu trösten, oder „beamen“ sich aus dem grässlich erlebten oder in der Vergangenheit erfahrenen Leben. In
diesen dissoziativen Zuständen empfinden sie ihren Körper und die Welt als fremdartig, irreal – bis dahin, dass sie ganz aussteigen oder aufgeben.

Die Bedeutung von Borderline:

Vom Englischen ins Deutsche wörtlich übersetzt, bedeutet „Borderline“ einfach „Grenzlinie“. Diese Bezeichnung ist der Versuch darzustellen, dass sich die Borderlinestörung weder ins Feld der Neurosen noch in das der Psychosen einordnen lässt. Während Neurotiker ihre Störung als ich-dyston erleben, d. h. nicht zu sich zugehörig (z. B. Zwänge, Phobien, Panik, Depressionen) werden von Psychotikern ihre Störungen als ich-synton wahrgenommen (z. B. Wahn, Halluzinationen, Persönlichkeitsstörungen).

Die Neurose ist auch der Ausdruck eines unbewussten
Konflikts der meist in der Lebensgeschichte der Person zu finden ist, während bei einer
psychotischen Persönlichkeit ein Störung in der Produktion der Neurotransmitter vorliegt.
Mit dem Ausdruck „Borderline“ versucht man ein Krankheitsbild zu bezeichnen, welches
die Merkmale einer neurotischen, aber auch die einer psychotischen Erkankung aufzeigt.
Das heißt, dass der Borderliner seine Störungen in manchen Momenten als ich-dyston
und in manchen als ich-synton erlebt.

Einige der Symptome von Borderline werden von den Betroffenen direkt körperlich wahrgenommen. Dazu gehören:

Innerliche Hochspannung

Die Betroffenen empfinden einen zum Teil sehr massiven inneren Spannungszustand, welcher je nach Intensität mit äußerstem Stress vergleichbar ist. Im Gegensatz zu letzterem muss kein Auslöser vorliegen oder es reicht oft auch ein marginaler Auslöser um eine unverhältnismäßig heftige Reaktion hervorzurufen. Betroffene leiden oft sehr darunter, da sie oft nicht wissen wie sie auf diese Empfindung reagieren sollen, wenn
keine Äußeren Umstände vorliegen an denen man sich „abreagieren“ könnte.

Schlafstörungen/Alpträume

Wie eben schon beschrieben, stehen Borderliner oft unter innerer Spannung (aber auch unter Ängsten und Wahnideen, auf die noch eingegangen wird), diese macht es ihnen entsprechend auch schwer, die nötige innere Ruhe zu haben um ruhigen Schlaf zu finden.
Dieser wird unter Umständen auch von Alpträumen begleitet. Leider hat dies wieder zur Folge, dass der Mangel an Schlaf wiederum dazu führt, dass sie emotional sehr unausgeglichen sind, was wiederum entsprechende Spannungszustände , Gedankenkreisel und Ängste provoziert welche Schlafstörungen hervorrufen.

Konzentrationsstörungen

Borderliner haben oft eine hypersensible Wahrnehmung und daher große Probleme unter der Masse der Eindrücke zu filtern, was sie als relevant und was als irrelevant einschätzen sollen. So fällt es ihnen auch oft schwer sich auf eine Sache zu fokussieren. Oft sind es auch die schon genannten Spannungszustände oder die vollkommene Vereinnahmung
der Wahrnehmung von starken Emotionen oder Gedankenkreisen die es den Betroffenen schwer macht ihre Aufmerksamkeit der tatsächlichen Situation zu widmen.

Innere Leere

Es wird oft ein Gefühl des innerlichen „Ausgehöhlt-Seins“ beschrieben. Dabei wird der Körper als innerlich ausgehöhlt wahrgenommen. Es werden zwar sehr wohl Atmung und Peristaltik wahrgenommen, aber oft als irreal empfunden. Zu diesem Gefühl kommt oft auch hinzu, dass nahezu keine Emotionen mehr wahrgenommen werden. So kann es sein, dass Borderliner in dieser Situation absolut keinen Antrieb haben oder keine
emotionale Reaktion auf die Ereignisse der Umwelt zeigen.

Unwirklichkeitsgefühle/Gefühl vom Körper getrennt zu sein

Es kommt vor, dass das ganze physische Ich und teilweise auch die Umwelt als vollkommen irreal wahrgenommen werden. Es wurde oft von Betroffenen beschrieben, als fühlten sie sich wie in einem Film, der mit ihnen selbst nicht im direkten Zusammenhang steht. Dabei kann es vorkommen, dass das eigene Ich und der Körper nicht mehr als eine
Einheit wahrgenommen werden. Vielmehr besteht das Gefühl, dass der Körper nicht der
eigene sei.

Taubheitsgefühle

Diese werden sowohl in Bezug auf die emotionale wie auf die physische Ebene wahrgenommen. Einerseits befinden sich Betroffene dabei in einem Zustand des völligen Fehlens von Emotionen, andererseits werden auch Teile oder das gesamte physische Dasein nicht mehr wahrgenommen.

Die Realität eines Borderliners

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