Kategorie: Haschisch

CBD – Alleskönner der Hanfprodukte

CBD bzw. CBD-Extrakte und ihre Wirkung auf den Körper und die Psyche

Wie erstaunlich es doch ist, dass nach dieser langen Zeit der Verbote und Vorbehalte rund um Cannabis, diese Pflanze nun langsam aber sicher den Status erhält, der ihr auch gebührt: als Heil- und Nutzpflanze. Und das war sie eigentlich ja schon immer. Nämlich eine Pflanze, deren Inhaltsstoffe auf nahezu magische Art und Weise mit unserem Organismus korrespondieren. Das diese Heilpflanze Inhaltsstoffe enthält, die wie zugeschnittren auf unser Zell- bzw. Rezeptorsystem sind, hat man in den letzten Jahrzehnten herausgefunden. Denn der menschliche Organismus produziert selbst Cannabinoide. Und das wiederum ist der Grund dafür, dass Cannabinoide überhaupt von unserem Körper aufgenommen werden können und so ihre Wirkung entfalten.

Dieser Beitrag behandelt die Zusammensetzung und Wirkungsweise verschiedener Cannabispflanzen, darunter THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol), vor allem aber das Cannabidiol (CBD), andere Cannabinoide und Terpene (flüchtige Kohlenwasserstoffe, auch: ätherische Öle genannt) sowie ihre möglichen therapeutischen Wirkungen.

In unterschiedlichen Cannabissorten wurden in den vergangenen 50 Jahren etwa 600 chemische Verbindungen nachgewiesen, darunter neben den Cannabinoiden sind dies Substanzen anderer Stoffgruppen, wie die Aminosäuren, Proteine, Zucker, Alkohole, Fettsäuren, Terpene und Flavonoide. Diese Cannabinoide kommen aber nicht in einer einzelnen Pflanze vor, sondern sie wurden weltweit in unterschiedlichen Pflanzen entdeckt.

Was aber ist das Besondere an dem nicht psychoaktiv wirkendem CBD?

Cannabidiol (CBD) ist das häufigste Cannabinoid im Faserhanf und oft das zweithäufigste Cannabinoid nach THC. CBD verursacht keine cannabistypischen psychischen Wirkungen. Für Cannabidiol kommen unter anderem folgende medizinische Einsatzgebiete in Frage:

  • Epilepsie
  • Angststörungen
  • Schizophrene Psychosen
  • Entzündungen und entzündlich bedingte Schmerzen
  • Bewegungsstörungen: Dystonie, Dyskinesie
  • Abhängigkeit von THC, Nikotin und Opiaten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Hemmung des Appetits

Die Wirkungen von CBD

Die folgenden CBD-Wirkungen wurden bisher im Tierversuch nachgewiesen. So linderte es Schmerzen aufgrund einer Nervenverletzung oder aufgrund von Entzündungen bei Ratten. Es wirkt nervenschützend, indem es wirksamer als Vitamin C freie Radikale fängt. Es wirkt antiepileptisch, hemmt Übelkeit, tötet Krebszellen bei Brustkrebs und einigen anderen Krebsarten, wirkt entzündungshemmend, hemmt die Anhäufung von Prion-Proteinen in Prion-infizierten Zellen und könnte so dem Rinderwahnsinn (BSE) vorbeugen. Es wirkt antibakteriell gegen bestimmte gefährliche Keime (MRSA) mit hoher Antibiotikaresistenz und reduziert im Tierversuch das Risiko für die Entwicklung eines Diabetes (Zuckerkrankheit).

Es gibt auch Bereiche, die bisher noch nicht einer klinischen Untersuchung unterzogen wurden, aber bei Anwendern des CBD eindeutige Wirkungen zeigen. Beispielsweise berichten einige Personen, die an ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) leiden, von einer Linderung ihrer Symptome durch CBD-Extrakte, doch wurde dies noch nicht durch wissenschaftliche Forschung bestätigt.

CBD und Epilepsie

Fallberichte und erste klinische Studien (Cunha et al. 1980) zeigen, dass CBD antiepileptische Eigenschaften besitzt. Vor allem in den USA, aber mittlerweile auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern werden CBD und CBD-Extrakte zum Teil mit guten Erfolgen vor allem bei bestimmten genetisch bedingten Epilepsieformen von Kindern, wie dem Dravet-Syndrom, dem Lennox-Gastaut-Syndrom und dem Angelman-Syndrom, eingesetzt.

In einer klinischen Studie, die bereits vor mehr als 35 Jahren durchgeführt wurde, erhielten 8 gesunde Freiwillige 30 Tage lang täglich 3 mg CBD pro kg Körpergewicht (Cunha et al. 1980). Weitere 8 Probanden erhielten die gleiche Anzahl identischer Kapseln Glukose als Placebo in einem Doppelblindverfahren. Neurologische und körperliche Untersuchungen, Blut- und Urinanalysen, EKG und EEG wurden in wöchentlichen Abständen durchgeführt. In Phase 2 der Studie wurden 15 Patienten mit sekundärer generalisierter Epilepsie mit Fokus im Temporallappen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Jeder Patient erhielt täglich 200 bis 300 mg CBD oder ein Placebo. Die Medikamente wurden 4,5 Monate lang verabreicht. Während des Experiments nahmen die Patienten weiterhin die bisherigen Antiepileptika ein, obwohl diese Medikamente die Krankheitssymptome nicht mehr kontrollierten. Alle Patienten und freiwilligen Probanden tolerierten CBD sehr gut. 4 der 8 CBD-Patienten blieben während des Experiments nahezu frei von Krampfanfällen und 3 weitere Patienten zeigten teilweise Verbesserungen ihres klinischen Zustands. Bei einem Patienten war CBD unwirksam. Der klinische Zustand von 6 der 7 Placebo-Patienten blieb unverändert, während sich der Zustand eines Patienten deutlich verbesserte.

CBD bei Angststörungen und bei posttraumatischer Belastungsstörung

CBD hat sowohl im Tierversuch als auch beim Menschen angstlösende Wirkungen gezeigt (Zuardi et al. 1993, Das et al. 2013, Bergamaschi et al. 2011, Crippa et al. 2011).
In einer klinischen Studie wurden die Probanden gebeten, vor einer Videokamera eine Rede zu halten (Zuardi et al. 1993). Dieser Versuchsaufbau erhöht die Angst der Probanden und lässt sich durch angstlösende Substanzen beeinflussen. CBD in einer Dosis von 300 mg wurde mit den angstlösenden Substanzen Ipsapiron (5 mg) und Diazepam (10 mg) verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass sowohl CBD als auch die beiden anderen Substanzen die Angst reduzierten, die durch den Versuchsaufbau ausgelöst wurde. In dieser Dosierung hatte CBD keine signifikante sedierende Wirkung.

Auszug aus: Dr. Franjo Grotenhermen, Markus Berger und Kathrin Gebhardt. „Cannabidiol.“ Apple Books.

CBD: Entscheidung des BGH zu Nutzhanfblüten

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat über die Strafbarkeit von Hanftee und Nutzhanfblüten entschieden und das Urteil des Landgerichts Braunschweig aufgehoben. Beim Urteil des BGH (AZ: 6 StR 240/20) zum Fall der Braunschweiger Hanfbar wurden festgehalten, dass es sich beim Tee aus Nutzhanfblüten um ein Betäubungsmittel gemäß des der Anlage I BtmG handele. “Entgegen der Auffassung des Landgerichts verbietet diese Ausnahmevorschrift zwar nicht grundsätzlich den Verkauf an Endabnehmer zu Konsumzwecken. Jedoch muss ein Missbrauch des Cannabisprodukts zur Berauschung ausgeschlossen sein”, so der BGH in seiner Pressemitteilung vom 24. März 2021. Allerdings sei es weiterhin strittig, ob die Betreiber der Hanfbar vorsätzlich handelten. Nun geht das Gerichtsverfahren zurück an das Braunschweiger Landgericht, welches die Inhaber der Hanfbar im Januar 2020 wegen des Verkaufs von THC-armen Nutzhanfblüten und Tees an Endkunden zu Bewährungsstrafen verurteilt hatte.

Gemischte Reaktionen bei Juristen
Aktuell ist das Warten auf das ausführliche schriftliche Urteil wichtig. Es gibt unter Juristen unterschiedliche erste Einschätzungen zum Urteil. Eher gedämpft zeigte sich Werner Siebers, einer der Anwälte der Hanfbar, in seinem gestrigen Blogbeitrag:

“Na ja, die Revisionen gegen das Urteil des Landgerichts Braunschweig wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz (Verkauf von Hanftee) durch meinen Kollegen Jan Funck und durch mich waren für unsere Mandanten durchaus erfolgreich, zumal der 6. Strafsenat in Leipzig durchaus den Argumenten der Verteidigung gefolgt ist – allerdings nur auf der Vorsatzebene. Das bedeutet, unsere Mandanten können weiter auf einen Freispruch hoffen, aber alle anderen, die spekuliert haben, mit diesem Urteil sei zukünftig der Verkauf von Tee aus Nutzhanf legal, müssen eine herbe Enttäuschung hinnehmen.”

Optimistischer sieht das Rechtsanwalt Kai-Friedrich Niermann:

“Solange der Missbrauch zu Rauschzwecken ausgeschlossen ist, und Händler keinen Vorsatz im Hinblick auf einen möglichen Missbrauch haben, ist Abgabe und Besitz von jeglichen, unverarbeiteten Nutzhanf-Produkten an Endkonsumenten nicht vom Betäubungsmittelgesetz erfasst.”

Bis das Urteil schriftlich vorliegt, dürfte die Debatte darüber, ob mit anderen Portionierungen, Beipackzetteln oder ähnlichem ein von den Gerichten unterstellter Missbrauch bei Endkunden ausgeschlossen werden könnte, heiß laufen.
Parallel geht die Jagd auf CBD-Händler und deren Kunden munter weiter, Gerichte werden auch weiterhin über Nutzhanfblüten mit minimalem THC-Gehalt entscheiden müssen. Jede Woche werden berufliche Existenzen zerstört und Arbeitsplätze vernichtet. Menschen, die mit CBD besser klarkommen als mit THC, werden kriminalisiert, obwohl sie sich bewusst für rauscharme Hanfprodukte entschieden haben. Das alles muss endlich aufhören: Nutzhanf gehört aus dem BtMG gestrichen!

Quelle:  https://hanfverband.de/nachrichten/news/cbd-entscheidung-des-bgh-zu-nutzhanfblueten

 

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Weiterführende Informationen zu Cannabis und Hanf

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