Hanfparade Berlin

Die Hanfparade ist die größte Demonstration für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel in Deutschland. Sie findet seit 1997 jährlich in Berlin statt. In diesem Jahr findet die Hanfparade am 14. August 2021 (voraussichtlich) wieder auf der Straße statt! Los geht es um 12 Uhr am Alexanderplatz in Berlin – Spandauer Str. beim Neptunbrunnen.

Hanfparade 2015: Nutzt Hanf!

Hanf ist ein universeller Rohstoff: Mit einfachen Mitteln ist es möglich, die Pflanze wachsen zu lassen, um aus ihren Blüten, Samen, Fasern und Schäben Nutzen zu ziehen. Cannabis ist mehr als nur Lebensmittel und Baustoff. Industrialisierte Prozesse ermöglichen unzählige Produkte wie Medikamente, Filze, Öle, Papier, Bioplastik sowie elektronische Schaltkreise. Hanf wird schon vielerorts eingesetzt, nur spricht „man“ nicht gern darüber. Wer weiß schon, dass etwa 15 Prozent der weltweiten Hanffaserproduktion in die Automobilindustrie gehen? Oder dass Hanf als ökologische Alternative zu Styropor im Häuserbau immer beliebter wird?

Durch die Nutzung von aus Erdöl, einer endlichen Ressource, hergestellten Kunststoffen wird die Umwelt verschmutzt. Viele alte Plastiksorten wurden ohne Rücksicht auf die Natur produziert, so dass uns Erdölplastikmüll hunderte Jahre belasten wird. Biologisch abbaubare, aus Pflanzenölen wie Hanfsamenöl hergestellte Kunststoffe verursachen diese Probleme nicht. Verbundwerkstoffe aus Naturfasern laufen zudem vielen Plastikanwendungen den Rang ab. Sein volles Potenzial als Rohstoff kann Cannabis erst entfalten, wenn es kein bürokratisches Erlaubnisverfahren mehr gibt. Wir fordern freie Samenwahl auch für CannabisbäuerInnen!

Hanfparade 2014: Grünes Licht für die Legalisierung

In diesem Jahr findet die Hanfparade am 14. August 2021 (voraussichtlich) wieder auf der Straße statt! Los geht es um 12 Uhr am Alexanderplatz in Berlin – Spandauer Str. beim Neptunbrunnen. Dort findet in der Zeit von 16 – 22 Uhr die große Abschlusskundgebung statt. Das Motto der Hanfparade 2014 „Grünes Licht für die Legalisierung!“ soll nicht als parteipolitische Empfehlung gewertet werden. Vielmehr wird sich die Hanfparade kritisch mit der Drogen- und Suchtpolitik aller Parteien (nicht nur der Grünen) auseinandersetzen.

Die Hanfparade soll dazu animieren, Ideen zu entwickeln, wie die Legalisierung vorangetrieben werden kann. Wir kämpfen dafür, das die Menschen in Deutschland auch bald „grünes Licht“ für die Legalisierung von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel geben werden, wie es Menschen im November 2012 in den US-Bundesstaaten Washington und Colorado an den Wahlurnen taten.

cannabis anbauen zuhause
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Hanfparade: Der demokratische Rechtsstaat und seine unliebsamen Kritiker

Die steigenden Besucherzahlen der letzten Jahre sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es aus drogenpolitischer Sicht noch viel Nachholbedarf gibt. Denn anders als bei der Loveparade ist das öffentliche Interesse verhältnismäßig gering, was man auch an der mangelnden Berichterstattung in den öffentlichen Medien sieht: Kein etablierter Fernsehsender hielt es für notwendig, über die Hanfparade zu berichten, oder wurde daran gehindert (wie das Medienprojekt PSI-TV). So war es dann für Behörden und vor allem die Polizei auch einfach, die Großdemonstration auszubremsen, den Ablauf zu stören und das Recht auf Versammlungsfreiheit zu beugen. Nicht nur die traditionelle Versammlung am Brandenburger Tor wurde mit fadenscheinigen Gründen verhindert, sondern auch der gesamte Zeitplan wurde von der Polizei insofern tangiert, dass die Wagen im Eiltempo durch die Stadt „getrieben“ wurden. Und das nur, um den behördlich genehmigten Ablauf einzuhalten. In einem Staat mit Recht auf freie Meinungsäußerung und dem Recht auf Versammlungsfreiheit sollte es eigentlich anders aussehen.

Haschischkonsum als gesellschaftliche Realität anerkennen

Dass Hanf nachweißlich seit 10.000 Jahren im europäischen Kulturland intensiv genutzt wird, scheint hier keine Rolle bei der objektiven Beurteilung der Forderungen der Hanffreunde zu spielen. Auch die Einschätzung vieler Mediziner und auch Richter, dem Haschisch eine andere Rolle in Medizin und Justiz einzuräumen, schenken die Regierenden keine Beachtung. Jede öffentliche Diskussion wird entweder verhindert, diffamiert oder durch Ignoranz gestraft. So werden seit vielen Jahrzehnten sämtliche Cannabiskonsumenten strafrechtlich verfolgt, kriminalisiert oder extrem unter Druck gesetzt, weil Haschisch länger als andere Drogen nachgewiesen werden kann und so z. B. bei einer Fahrzeugkontrolle zum Führerscheinentzug führt. Fahrer unter Alkoholeinfluss haben es da leichter, immerhin gibt es hier eine klare Regelung, welche bei Verstoß Anwendung findet.

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Dass die Hanfparade eine der wenigen öffentlichen Demonstrationen ist, bei der es um drogenpolitische Themen geht, sollte nicht unerwähnt bleiben. Drogen spielen in unserer Kultur ganz allgemein eine große Rolle. Das war so und das wird auch in Zukunft so bleiben, egal, ob es um Nikotin, um Alkohol oder um Haschisch geht. In diesem Jahr gab es auch erstmals einen Wagen von eclipse e. V.. Dieser gemeinnützige Verein setzt mit seiner „psychedelischen Ambulanz“ auf eine besondere Form der Intervention bei Drogengebrauchern, indem er einen Raum zur Verfügung stellt, in dem Menschen während ihrer Drogenwirkung aktiv „begleitet“ werden und das ohne Verurteilung oder sozialpädagogischer Attitüde. Ein Mitarbeiter sagte im Zusammenhang mit der Hanfparade: “Es ist Augenwischerei, wenn wir annehmen, dass Jugendliche die gängigen Präventionskonzepte oder die Verbote akzeptieren, welche es in Bezug auf Drogen gibt. Letztendlich probieren junge Menschen Drogen aus, sollte es sie in ihrem Umfeld geben. Wenn wir das nicht akzeptieren, wird es immer einen unüberwindlichen Graben zwischen einer nebulösen Subkultur und einer autoritären Staatsmacht geben – deshalb gefällt mir der diesjährige Flyer auch so gut…“

Diese Akzeptanz einer gesellschaftlichen Realität fehlt den Regierenden völlig. Noch immer wird über das BtmG versucht, den Substanzkonsum in unserer Gesellschaft zu regulieren. Die repressive Drogenpolitik kostet nicht nur viel Geld, sondern führt auch ganz normale Menschen in das gesellschaftliche Abseits. Nicht nur die Macher der Hanfparade hoffen, dass es im nächsten Jahr mehr Menschen gibt, welche für ihr Recht auf die Straße gehen, die Substanz zu konsumieren, welche sie bevorzugen, oder die ihnen hilft, ihr Leben erträglich zu gestalten. (Bild rechts: AkuMo-Projekt, Berlin auf dem eclipse-Wagen)

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Hanfparade in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnt und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Und das ohne das Stigma einer Kommerzialisierung, wie das bei der Loveparade später der Fall war. Das kann nur funktionieren, wenn Drogengebraucher die Angst verlieren, sich öffentlich zu ihrem Recht auf Rausch zu bekennen und nach Berlin kommen um zu demonstrieren. Dann vielleicht ist die Hanfparade auf dem Weg, ein angemessenes Mittel eines freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats zu sein, seine Meinung zu sagen, ohne die Angst, über den Substanzkonsum einer Vorverurteilung ausgesetzt zu sein.

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