Neuro Enhancement

Neuro Enhancement, Cognitive Enhancement

Doping ist beim Sport verboten und gilt als verpönt. In einer Leistungsgesellschaft, wie der unseren, bekommen einzelne Substanzen eine immer wichtigere Bedeutung, weil sie Leistungssteigerungen – vor allem beim Job und in der Uni – ermöglichen (Neuro Enhancement).

Worte wie Neuro Enhancement, Cognitive Enhancement (Enhancement eng. = Verbesserung, Verstärkung) beschreiben den Versuch des Menschen, bewusst und eigenständig in den chemischen Haushalt des eigenen Gehirns einzugreifen mit dem Ziel, konkrete erwünschte Leistungssteigerungen zu verursachen.

Langfristig können – unter Umständen – erhebliche Probleme auf den Einzelnen zukommen: Sucht, bzw. Abhängigkeit können entstehen; eine authentische Leistung ohne diese Mittel ist nicht mehr möglich und die Angst vor einem gesellschaftlichen Totalversagen treibt viele in den Kreislauf von verdecktem Konsum und Abhängigkeit.

Wir wollen hier einige der aktuellen sog. „Neuro Enhancer“ (psychic energizer) vorstellen und so auf die Gefahren der Einnahme und des möglichen Missbrauchs hinweisen. Allerdings nicht, ohne ebenfalls die Möglichkeiten eines eigenverantwortlichen Gebrauchs und sinnvollen Einsatzes einzuschließen

Neurophysiologie des Neuro-Enhancements

Die verbreitete Vorstellung, neue Psychopharmaka könnten die kognitive
Leistungsfähigkeit bald nebenwirkungsarm und bei jedermann steigern, hält einer näheren Überprüfung nicht stand. Wie die meisten Psychopharmaka setzen auch zahlreiche Neuro-Enhancer an der chemischen Signalübertragung zwischen den Nervenzellen an. Diese gehorcht bestimmten Gesetzen, die sich auch in Zukunft nicht aushebeln lassen. Bislang stehen keine effektiven Substanzen zur Verbesserung der intellektuellen Leistungsfähigkeit bei
Gesunden zur Verfügung und dies wird sich in absehbarer Zeit auch kaum
ändern, da das gesunde menschliche Gehirn bereits weitgehend optimal
austariert zu sein scheint. (SuchtMagazin, Schweiz, 2/2010)

Frage an die Community: Ist es möglich, dass nach dem kontrollierten und regelmäßigem Konsum von Methylphenidat, Amphetamine nicht mehr am Rezeptor andocken können, also nicht mehr wirken?

Antworten oder Gedanken dazu bitte unter: kontakt@drogeninfo-berlin.de

Verschiedene als Neuro-Enhancer eingesetzte Substanzen und ihre Wirkungen

Dihydroergotoxin (Hydergin, Orphol)
Ist ein Wirkstoffgemisch aus der Gruppe der Mutterkornalkaloide und besteht aus vier Inhaltsstoffen des Mutterkorns. Das Kombinationspräparat wird u.a. zur Verbesserung der Hirnleistungsfähigkeit und Senkung des Bluthochdrucks bei älteren Patienten eingesetzt. Es hat Einfluß auf Lern-und Gedächtnisleistung durch Beschleunigung geistiger und psychomotorischer Vorgänge.


Lisdexamfetamin

wurde in einem europäischen Anerkennungsverfahren (DCP)
kürzlich auch in Deutschland als Arzneimittel zur Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeits- Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) zugelassen. Dieses Arzneimittel kann eingesetzt werden, wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben, wie z.B. eine Behandlung mit Methylphenidat. Die Wirkung ist ähnlich wie die von Ritalin. Bei Missbrauch kann es zu Toleranzentwicklung, starker psychischer Abhängigkeit und schwerer sozialer Normabweichung kommen.

Memantin
Wird zur Behandlung von moderaten bis schweren Demenz-Formen vom Alzheimer-Typ eingesetzt. Es bewirkt bei gesunden Menschen eine Verbesserung von Lernen, Erinnern und der Fähigkeit zur Alltagsaktivität

Modafinil:
Ein Medikament, das vor allem bei der Schlafkrankheit
Narkolepsie eingesetzt wird. Es steigert die Aufmerksamkeit und die Wachheit und das, ohne einen merkbaren Rausch auszulösen. Es kann – bei dauerhafter Anwendung – zu erheblichen unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Die häufigsten sind Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Es liegen keine verlässlichen
Langzeitstudien vor.

Piracetam:
Ein Medikament, das in der Medizin gegen Demenz eingesetzt wird. Kurzfristig erhöht es die Denkleistung, da es den Hirnstoffwechsel anregt. So kommt es partiell zu einer Steigerung der Gedächtnisleistung, es gibt Hinweise darauf, dass Piracetam vor allem das Sprachgedächtnis auch bei Gesunden verbessern kann. Außerdem soll es die Konzentrationsfähigkeit und die Motivation steigern. Diese Effekte sind innerhalb eines therapeutischen Settings durchaus erwünscht, da hier Patienten mit den entsprechenden Defiziten behandelt werden.

Fluoxetin:
Dieses Medikament wurde ursprünglich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Es ist ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (siehe auch: Serotonin-Syndrom ) und wurde unter dem Namen „Prozac“ vertrieben. Der erwünschte Effekt ist eine Stimmungsaufhellung („gut drauf zu sein“). Mit der Einnahme sind eine Fülle von Nebenwirkungen verbunden – unter anderem Verwirrtheitszustände und suizidale Tendenzen.

Metoprolol:
Dieses Medikament ist ein sog. Betablocker. Primär senkt es den Blutdruck und dient der Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Das Mittel hemmt die aktivierende Wirkung von „Angsthormonen“ und sorgt dadurch für eine Dämpfung von Stressempfindungen. So wird es oft gegen Lampenfieber eingesetzt.

Donepezil:
Dieses Arzneimittel wird zur Behandlung von Alzheimer bzw. Demenz eingesetzt. Bei Anwendung soll es vor allem die Gedächtnisleistung erhöhen und die Merkfähigkeit verbessern. Langzeitstudien zu den Nebenwirkungen liegen allerdings nicht vor.

Sertralin:
Dieses Medikament wird unter anderem als Antidepressivum (Major Depression) sowie bei Angststörungen und bei der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörung verwendet. Sertralin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der zu einer Erhöhung der Konzentration von Serotonin im Zentralnervensystem führt. Sertralin wirkt antriebssteigernd und stimmungsaufhellend.

Weiterführende Informationen zum Thema Neuro Enhancement

Das optimierte Gehirn: PDF Download zum Thema Neuro Enhancement

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