Interview mit einem Grower

Cannabis anbauen zuhause: 

Interview mit einem Grower: Δ9:

Delta9 ist nicht nur leidenschaftlicher Kiffer, er baut auch selber seit Jahren Cannabis an, und schreibt für namhafte Hanf-Samenbanken Reviews in denen er die Eigenschaften und Besonderheiten einzelner Cannabis-Sorten beschreibt und einem interessierten Publikum zur Verfügung stellt. Wir haben lange mit Delta9 gesprochen. Raus gekommen ist ein dreiteiliges Interview mit einem versierten Grower

cannabis anbauen zuhause
cannabis anbauen zuhause



dib Delta9, warum nennst du dich so?

Δ9: Naja, wegen Delta-9-Tetrahydrocannabinol. Und wenn man es als Kürzel schreibt, steht da nur ein Dreieck und ne Neun, sieht auch als Tag gut aus (lacht).

dib Du hast mir erzählt, dass du seit einigen Jahren selber Cannabis anbaust. Wie ist es dazu gekommen?

Δ9: Ich bin eigentlich nur Gelegenheitskiffer, aber Freunde von mir haben das schon länger gemacht und bei denen habe ich auch immer gekauft. Die hatten ganz gutes Gras. Darüber war ich sehr erstaunt, da selber Angebautes ja meist „deutsche Hecke“ genannt wird und es halt auch meist so riecht und turnt – nämlich gar nicht… Und da dachte ich mir, da ich ja eh regelmäßig was kaufe, kann ich’s doch auch selber anbauen.

dib Wie hast du dann angefangen? Wie muss man sich das vorstellen?

Δ9: Zuerst hab ich mir mal ein Buch gekauft. Das hieß dann auch „Marihuana drinnen„. Da hab ich mich dann erstmal informiert, weil ich mich nicht nur auf das verlassen wollte, was die anderen mir erzählten. Und das ganze Thema ist ja ziemlich komplex, wie ich dann gesehen habe.

dib Also nicht einfach den Samen in die Erde drücken und den Blumentopf auf den Balkon stellen?

Δ9: Nee, so einfach ist das nicht. Zunächst habe ich einen kleinen Schrank in meiner Wohnung umgebaut und auf der Innenseite habe ich später weiße Folie angebracht. Weil ich nicht so viel Geld hatte, habe ich mir zunächst eine 250 Watt Energiesparlampe geholt, mit Reflektor. Die war auch nicht teuer – wie Lampen an sich ja nicht teuer sind. Für die Energiesparlampe brauchte ich kein Vorschaltgerät, was letztendlich zur Kaufentscheidung geführt hat. So hatte ich dann also für 120 € mein erstes kleines Equipment.

dib Ich habe gehört, dass die meisten Grower auf hohe Wattzahlen stehen…

Δ9: Das stimmt. Aber für ne starke Lampe brauchst du auch entsprechend viel Platz. Und wenn du dann noch Vorschaltgerät und Reflektor dazurechnest… das war mir damals einfach zu teuer. Außerdem wollte ich erstmal Erfahrungen sammeln.

dib Und das hast du dann getan …

Δ9: Ja, klar. Ich hatte das Glück, dass ich sehr gute Samen bekommen hatte. Das waren (überlegt kurz) Everest Bud und AK 47. Beides sehr potente Indica-Sativa-Hybriden und dazu noch feminisiert, so dass ich mir keine Gedanken über das Geschlecht machen musste.

dib Ja, eine männliche Pflanze kann schon mal die gesamte Ernte „versauen“…

TFMPPΔ9: Genau so sieht’s aus. Ich kann dir nicht sagen, ob ich das damals erkannt hätte, welche Pflanzen weiblich oder männlich sind.

dib Heute schon?

Δ9: Keine Frage. Man sieht das ganz leicht an den weißen Stigmen, die an den Achseln – also da, wo das Blatt oder der Seitentrieb aus dem Stamm wächst – anfangen zu sprießen. Diese weißen „Fäden“ fehlen den männlichen Pflanzen völlig.

dib Noch mal zu deinen potenten Hybriden. Du hattest also vielversprechende Samen und hast die keimen lassen?

Δ9: Richtig. Glücklicher Weise haben auch alle gekeimt, erst nach dem Eintopfen ist nach ein paar Tagen einer umgefallen und gestorben. So was hat man immer… also, dass von zehn etwa einer nicht durchkommt.

dib Also wolltest du zehn Pflanzen auf einem halben Quadratmeter anbauen?

Δ9: Nein, um Gottes Willen, bei mir standen am Ende fünf Pflanzen auf 50 x 90 cm, was schon recht viel ist auf der kleinen Fläche. Pflanzen, die man aus Samen zieht, wachsen viel ausladender als solche, die aus Stecklingen gezogen werden. Insofern war mein Anbauraum zum Schluss ziemlich überladen.

dib Aber am Anfang noch nicht? Wie viel Aufmerksamkeit brauchen denn solche Keimlinge?

Δ9: Sie brauchen Aufmerksamkeit, aber auch die richtige Erde, die richtige Temperatur, Luftfeuchtigkeit und das richtige Licht. Ich habe mir damals auf Anraten eines Freundes Erde geholt, die wir „Nullerde“ nennen. Damit ist Erde gemeint, die relativ frei von Zusätzen ist. Normale Blumenerde aus dem Supermarkt oder Blumenladen ist hoffnungslos überdüngt oder auch mit Schädlingen belastet und für unsere Zwecke absolut nicht zu gebrauchen.

dib Also ab in einen „Spezialladen“…

Δ9: Ja, genau. Die gibt es ja inzwischen wirklich überall und in fast jedem kleinen „Kaff“. Da hab ich mir dann Erde geholt und auch Vermiculit zum Untermischen. Das Vermiculit lockert den Boden auf, hält die Feuchtigkeit besser und sorgt dazu noch für eine gute Drainage. Außerdem habe ich mir damals schon angewöhnt, der Erde Dolomitkalk zuzusetzen. Die hält den PH-Wert stabil bei 6,5 bis 7, was für Cannabispflanzen in diesem Medium das Optimum ist.

dib Also Erde ohne Düngerzusatz. Heißt das, du düngst deine Pflanzen gar nicht?

Δ9: Nein! Die Erde soll ungedüngt sein, damit man mehr Kontrolle über das Medium hat. So kann ich relativ genau bestimmen, welche Nährstoffe meine Pflanze wann bekommt. Also habe ich mir sechs verschiedene Dünger im Laufe der Zeit zugelegt. Die gebe ich genau dosiert zu bestimmten Zeiten hinzu. Einen Grunddünger, der in der gesamten Wachstumsphase bis zum Einleiten der Blüte gegeben wird, einen, der die Blüte einleitet, einen, der als Grunddünger für die Blühphase gegeben wird, einen für die Endblüte und natürlich das bekannte PK 13/14 wegen des erhöhten Bedarfs an Phosphor und Kalium während der Blütephase.

dib Das sind aber erst fünf.

Δ9: Ja, der sechste Dünger fällt etwas aus der Reihe. Das sind hoch konzentrierte Pflanzenenzyme. Von denen gebe ich einen Tropfen auf viereinhalb Liter. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie viel daran Einbildung, Enthusiasmus oder Realität ist, aber ich gebe das Zeug immer dazu.

dib Hört sich ja ziemlich kompliziert an mit dem Düngesystem?

Δ9: Ist es aber gar nicht. Wenn die Pflanzen noch klein sind, musst du nur dafür sorgen, dass sie eine konstante Temperatur zwischen 24 und 28°C haben, dass sie mäßig feucht gehalten werden und 18 Stunden Licht bekommen. Das Gießwasser setzt du einmal an und fügst einfach nach Herstellerangaben den Dünger dazu – und das war’s. Die Cannabispflanze braucht in jedem Wachstumszyklus ganz bestimmte Nährstoffe und die werden dann jeweils von einem ganz bestimmten Dünger zur Verfügung gestellt. In der Blüte zum Beispiel ist der Bedarf an Phosphor und Kalium erhöht, auf Stickstoff hingegen kann die Cannabispflanze in dieser Phase des Wachstums verzichten. Deshalb gibt man in der dritten oder vierten Woche der Blüte den PK-Dünger hinzu. Der sorgt dafür, dass die Pflanze große und kräftige Buds produzieren kann.

In der Endblüte, also kurz vor der Ernte, kann man einen Dünger geben, der das Ausblühen fördert und der Pflanze signalisiert, dass ihr Lebenszyklus zu Ende geht. Die Pflanze reagiert darauf mit einer erhöhten Produktion von Wirkstoffen. Es gibt allerdings auch Leute, die in der Endblüte überhaupt gar keinen Dünger geben und nur noch spülen. Das bedeutet, sie gießen 14 Tage lang ausschließlich mit Wasser, um die Düngerreste in der Erde rauszuspülen.

dib Aber deine AK 47 und Everest Bud haben ja nicht direkt geblüht, oder?

Δ9: Nein, nach dem Keimen hab ich sie in kleine Töpfe gepflanzt, halt unter meine 250-Watt-Lampe gestellt und denen erstmal beim Wachsen zugeguckt. Denn erstmal sollten sie die kleinen Töpfe komplett durchwurzeln. Und das geht auch relativ schnell. Es ist enorm, wie zügig eine Hanfpflanze unter guten Bedingungen mit einer guten Genetik wächst. Nach knapp zwei Wochen waren sie etwa zehn bis zwölf cm hoch und bereit zum Umtopfen.

Beim letzten Umtopfen sollte man dann auch darauf achten, dass man schon die Töpfe nimmt, in denen die Pflanzen bis zum Schluss bleiben können. Sie sollten also groß genug sein, also zwischen 10 und 15 Liter fassen, damit die Wurzeln genug Platz haben. Auf den Boden der Töpfe habe ich Blähton gelegt, damit das Wasser besser abfließen kann. Da drauf kam meine Mischung aus der Nullerde mit dem Vermiculit und Dolomitkalk. Die Jungpflanzen werden dann vorsichtig mit dem kompletten Wurzelwerk und der Erde aus dem kleinen Topf dort eingesetzt.

dib Leitest du dann direkt die Blüte ein?

Δ9: Nein, ich lasse die Jungpflanzen erstmal in Ruhe die großen Töpfe erobern. So lange, bis sie etwa 40 bis 50 cm groß sind, einige Seitentriebe haben und insgesamt gut belaubt aussehen. Die Raumtemperatur liegt dabei konstant zwischen 24 und 28°C bei 18 Stunden Licht.

dib Und welchen Dünger braucht man jetzt?

Δ9: In der sogenannten vegetativen Phase gebe ich einen handelsüblichen Dünger, der extra auf dieses Wachstumsstadium zugeschnitten ist. Der enthält neben Stickstoff, Phosphor und Kalium auch Magnesium, Schwefel, Zink usw. Wirklich ernst wird es erst beim Einleiten der Blüte.

dib Wie leitet man denn die Blüte ein?

Δ9: Das ist ganz leicht: Indem man einfach die Lichtperiode von 18 af 12 Stunden am Tag verkürzt.

dib Warum fängt eine Cannabispflanze denn dann an zu blühen?

Δ9: Die Cannabispflanze blüht ja in der freien Natur normalerweise im Spätsommer, so zwischen September und Oktober. Also dann, wenn die Tage schon wieder kürzer werden. Und genau das simulieren wir in unserem Growraum, indem wir die Photoperiode von 18 auf 12 Stunden reduzieren. Das signalisiert der Hanfpflanze, dass ihr Lebenszyklus sich ändert und es Zeit wird zum Blühen. Außerdem gebe ich zusätzlich noch einen speziellen Dünger, der Nährstoffe zur Verfügung stellt, welche das Wachstum von Blüten fördern. Bis man dann die ersten Blüten erkennt, vergehen noch einmal 10 bis 20 Tage.

In Deutschland gehört der Cannabiswirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) gemäß § 1 Betäubungsmittelgesetz (BtMG) in Verbindung mit der Anlage 1 zum BtMG zu den nicht verkehrsfähigen Stoffen. Ohne Genehmigung des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind Anbau, Herstellung, Handel, Einfuhr, Ausfuhr, Abgabe, Veräußerung, sonstige Inverkehrbringung, Erwerb und Besitz von allen Pflanzenteilen des Cannabis nach §§ 29 ff BtMG strafbar. Wir wollen mit diesem Beitrag niemanden zum Konsum der Substanz animieren, sondern über Wirkungen und Risiken informieren. Die AutorInnen können keinerlei Verantwortung für eventuelle Konsequenzen übernehmen, die sich aus dem Gebrauch der Substanz ergeben!
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