Research Chemicals

Research Chemicals oder Neue Psychoaktive Substanzen

Alle 5 Tage ein neuer Stoff

In den letzten Jahren hat das europäische Frühwarnsystem für neue psychoaktive Stoffe in zunehmendem Maße Informationen über synthetische psychoaktive Stoffe übermittelt, die in Europa bislang noch nicht aufgetreten sind. Im Jahr 2011 wurde innerhalb der Europäischen Union eine Rekordzahl von 49 erstmalig entdeckter Stoffe gemeldet.

Im Jahr 2009 wurden insgesamt 24 und im Jahr 2010 insgesamt 41 neue psychoaktive Stoffe (NPS) gemeldet. 2012 stieg die Zahl der im Rahmen des europäischen Informationssystems gemeldeten neuen psychoaktiven Stoffe auf 73, was im Durchschnitt einem neuen Stoff in fünf Tagen entspricht. Synthetische Cannabinoide sowie Phenylethylamine und Cathinone machen seit 2005 zwei Drittel aller neuen über das Frühwarnsystem gemeldeten Stoffe aus. Häufig handelt es sich dabei um chemische Variationen der Cathinon-Gruppe (wie z. B. Methylon und Ephedron). Cathinon ist der psychoaktiv stimulierende Wirkstoff des Kath-Strauchs. Kath, auch Kat, Qat, Khat, ist eine Alltagsdroge im Jemen, sowie in Äthiopien, Somalia und Dschibuti. Es handelt sich dabei um die Zweigspitzen und jungen Blätter des Kathstrauchs, die als leichtes Rauschmittel konsumiert werden. Von ihrer anregenden Wirkung her sind sie vergleichbar mit Koffein.

Kath
Kath

Cathinon ist ein Amphetamin und zählt zu den Stimulanzien. Es ist eines der Alkaloide aus dem Kathstrauch (Catha edulis) und dem Spindelbaumgewächs (Maytemus krukovii). Cathinon (Cathinone) ist als Reinsubstanz beim Menschen auf seine Wirkung hin gut untersucht, hat eine kreislaufanregende Wirkung und wirkt psychisch stimulierend (euphorisierend). Über Wirkungen des Khat-Kauens berichten viele arabische Quellen des Altertums und Quellen der neueren medizinischen Literatur. Die häufigsten körperlichen Symptome sind neben der bereits für (isoliertes) Cathinon beschriebenen kreislaufanregenden Wirkung (Herzfrequenzerhöhung, Herzklopfen, Gesichtsrötung) auch eine mäßiggradige Erhöhung der Körpertemperatur mit Schwitzen und eine Pupillenerweiterung.

Research Chemicals und XTC

Als Research Chemicals bezeichnet man chemische psychoaktive Substanzen, deren molekulare Struktur Variationen von vorhandenen (illegalisierten) Substanzen sind, oder völlig neue chemische Strukturen darstellen, deren Wirkung aber bestehenden Substanzen gleicht. Für die chemische und medizinische Forschung und Verwendung haben sie nur eine geringe Bedeutung, werden also nur zum Teil zu medizinischen Zwecken verwendet. Ihre spezifischen Wirkmechanismen machen sie allerdings für einzelne Gebraucher sehr interessant. Da diese Substanzen nicht immer explizit im bestehenden BtMG aufgeführt sind, konnte man sie zu Forschungszwecken legal bestellen. Sie werden aus diesem Grunde auch häufig als legaler Ersatz für bekannte illegalisierte Substanzen vermarktet und oft mit zweckentfremdenden Begriffen deklariert (wie Dünger für Kakteen oder als Badesalz). Auch das eine Bestellung leicht machende Internet und hoch technologisierte pharmazeutische Billiglabors vor allem in Asien haben dazu beigetragen, die Marktsituation für Research Chemicals zu verändern.Der legale Status wiegt die Konsumenten häufig in falscher Sicherheit, auch bei der legalen Produktion von Research Chemicals können Fehler auftreten und/oder Substanzen gestreckt werden. Ein legaler Status sagt nichts über die Gefährlichkeit dieser Substanzen aus. Die meisten Research Chemicals sind weitgehend unerforscht, über Wirkungen und vor allem (langfristige) Risiken sind nur sehr wenige Fakten bekannt. Beim Konsum ist man somit auch immer „Versuchskaninchen“, umso wichtiger ist es, grundlegende Safer Use-Regeln zu beachten.

Einige Research Chemicals, die in „Ecstasy“, als LSD-Ersatz, in „Speed“ und Cannabis gefunden wurden

AB-PINACA ist ein synthetisches Cannabinoid, das im Jahr 2012 zum ersten Mal aufgetaucht ist. Tiermodellstudien legen nahe, dass es ca. 2-14 stärker wirksam ist als THC1. Wissenschaftliche Studien über Wirkungen und Effekte am Menschen liegen unseres Wissens bisher nicht vor. Der Konsum von AB-PINACA wurde Fallberichten zufolge in Zusammenhang mit schwerwiegenden Überdosierungen und Todesfällen gebracht

25I-NBOMe ist eine Research Chemical mit stark psychedelischer Wirkung, 2C-I-NBOMe oder auch NBOMe-2C-I und 25I wurde im Jahr 2003 in Berlin, Deutschland entwickelt und ist das Derivat von 2C-I. Im Jahre 2010 trat 25I-NBOMe zum e rsten Mal auf und war nun in Online Shops verfügbar. 25I-NBOMe wurde manchmal als pure Chemikalie verkauft, aber in den meisten Fällen wurden die Dosen bereits auf Blotter (Pappen) vorbereitet, ähnlich dem LSD. Bei Überdosierung oder besonders empfindlichen Menschen ist es schon zu tödlichen Nebenwirkungen gekommen, da die Substanz das Herz-Kreislauf-System beeinflussen kann.


25C-NBOMe (2C-C-NBOMe) zählt, wie die bereits von uns auf vermeintlichen LSD Trips gefundenen Substanzen 25B-NBOMe und 25I-NBOMe, zur Gruppe der Phenethylamine (wie z.B. auch Amphetamin und MDMA) und ist ein Derivat von 2C-C. Es hat eine stark halluzinogene Wirkung und ist noch sehr wenig erforscht. UserInnen-Berichten zu folge tritt die Wirkung bereits in sehr geringen Mengen auf (Mikrogramm-Bereich!), was eine Dosierung schwierig macht und das Risiko für Überdosierungen erhöht. Phenethylamine wirken sehr stark auf das Herz-Kreislauf-System, wodurch Überdosierungen auch auf körperlicher Ebene bedrohliche Konsequenzen haben können.


25H-NBOMe zählt wie die chemisch verwandten Substanzen 25B-NBOMe, 25C-NBOMe und 25I-NBOMe zu den halluzinogen wirkenden Phenethylaminen. Wie bei anderen Research Chemicals auch, liegen uns derzeit keinerlei Informationen zu 25H-NBOMe vor.


25I-NBOMe (2C-I-NBOMEe, 25I-N-Bomb) ist chemisch mit dem halluzinogen wirkenden Phenetylamin 2C-I verwandt. Die Substanz ist bis dato in verschiedenen europäischen Ländern auf LSD-Trips, aber auch in Pulverform aufgetaucht. UserInnen-Berichten zu folge tritt die Wirkung bereits in sehr geringen Mengen auf (Mikrogramm-Bereich!), was eine Dosierung schwierig macht und das Risiko für Überdosierungen erhöht.


5-IT / 5-API bzw. 5 – (2 -Aminopropyl )-indol, ist ein synthetisches Phenetanyl-Derivat und gehört zur Familie der Tryptamine. 5-IT (5-(2-aminopropyl)indole) zeigt viele halluzinogene und andere psychoaktiven Wirkungen beim Menschen. 5-API ist erst vor kurzem auf dem illegalen Schwarzmarkt aufgetaucht und wird als Pulver, Kapsel sowie in Tablettenfrom verkauft.


5-BPDi (1- (2,3-dihydro-1H-inden-5-yl) -2- (pyrrolidin-1-yl) hexan-1-on) ist strukturell mit dem synthetischen Cathinone alpha-PHP verwandt (und wird deshalb voraussichtlich stimulierende Wirkung haben). Es gibt in den gängigen Online-Drogen-Foren einige Diskussionen zu dieser Substanz.

5-BPDi wurde in einer gesammelten Probe von 0,3 Gramm als weiß/beige Pulver in Polen am 18. Februar 2015 in Pabianice, identifiziert. Die Substanz wurde analytisch durch LC-MS / MS-TOF, GC-MS und NMR von der National Medicines Instituts in Warschau bestätigt.


AL-LAD (N-allyl-nor-LSD) ist ein sehr nahe mit LSD verwandtes, in den AL-LAD meisten Ländern weltweit noch legales Psychedelikum, das in Online Shops als Research Chemical verkauft wird. Es wurde bereits von Sasha Shulgin in seinem Buch TiHKAL beschrieben und es zählt zu den (verglichen mit beispielsweise 1P-LSD) schon länger bekannten psychoaktiven Ergolinen.


DPIA ist ein vermutlich psychoaktives Synthesenebenprodukt1, das bei der Herstellung von Amphetamin entsteht. Die meisten Amphetamin-Proben weisen Spuren von DPIA auf – allerdings in so geringer Menge, dass es bei der Analyse nicht aufscheint. Befinden sich größere Mengen DPIA in der Probe, wird die Nachweisgrenze überschritten und das Synthesenebenprodukt als Inhaltsstoff angegeben.


Ocfentanil(N-(2-fluorophenyl)-2-methoxy-N-[1-(2-phenylethyl)-4-piperidyl]acetamide) hat in Europa, bzw. in den Niederlanden und Belgien zwischen 2013 und 2015, wo sie als synthetisches Heroin (als braunes Pulver) verkauft wurden, zu mehreren Todesfällen geführt. Der Fund enthielt auch Paracetamol und Koffein. Ocfentanil ist doppelt so stark wie Fentanyl.

Ocfentanil ist ein hoch potentes synthetisches Opioid und mit Fentanyl strukturell verwandt. Ocfentanil wurde als eines aus einer Reihe von potenten Naloxon-reversiblen Opioiden in einem Versuch entwickelt, ein Opioid herzustellen, welches bessere therapeutische Wirkungen hinsichtlich der Sicherheit in Bezug auf das kardiovaskuläre System und der verminderten Atemdepression aufwies. Verglichen mit Fentanyl haben Untersuchungen der analgetischen Aktivität von Ocfentanil eine ungefähr 2,5 mal so potente Wirkung ergeben!


m-CPP (meta-Chlorophenylpiperazine) ist bisher nur in der Hirnforschung verwendet worden, vereinfacht gesagt, um die Wirkungsweisen von Antidepressiva und Migränemedikamenten zu testen. Die Wirkung ist ähnlich der von MDMA (der eigentliche Wirkstoff von Ecstasy) nur schwächer in der gewünschten psychoaktiven Wirkung (Glücksgefühle, optische Veränderungen, ca. 1 bis 2 Stunden). Unangenehme Nebenwirkungen sind allerdings vergleichsweise häufig (Kopfschmerzen bis zu Migräneanfällen, Nierenschmerzen, Nervosität, Schweratmigkeit, Müdigkeit, Verwirrtheit, Ängstlichkeit, Zittern, Schwindelgefühl und Übelkeit bis hin zum Erbrechen). Die Wirkdauer beträgt 4 bis 8 Stunden. Außerdem kann ein mehrere Tage anhaltender „Hangover“ auftreten, es tritt keine leistungs-steigernde Wirkung ein, Herzschlag und Puls sind nicht erhöht. Im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Konsum von MDMA kann es zu Krampfanfällen kommen!

Nach dem Konsum tritt oft mehrere Tage lang starke Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmung auf, der Urin kann sich für 2-3 Tage rostbraun bis rötlich verfärben. Regelmäßiger Konsum kann zu Depressionen, Angstzuständen, psychomotorischer Unruhe, sowie sexuellen Funktionsstörungen führen.


MDAI Während MDAI (5,6-Methylenedioxy-2-aminoindane) chemisch nicht den Arycyclohexylaminen zuordenbar ist, weist diese Forschungssubstanz ähnliche Merkmale zu Methoxetamin und N-Ethyl-Ketamin auf. Verbindungen aus dieser Gruppe fungieren nachweislich als NMDA Rezeptorkanal Blocker zusammen mit der daraus resultierenden dissoziativen und anästhetischen Wirkung, was auch Laboruntersuchungen von Diphenidin Eigenschaften andeuten.

Behalten Sie im Auge, dass Diphenidin neu auf dem research chemicals Markt ist, daher wird zu vorsichtigen Umgang mit dieser Substanz hingewiesen. Sie finden Diphenidin unter seinem systematischen Namen 1-(1,2-Dyphenylethyl)Piperdin und ist ein Piperdin Analogon von Lefetamin. Die Molekülmasse ist 301,85356 g/mol und seine Molekülformel lautet C19H24CIN. Obwohl Diphenidin derzeit kaum erforscht ist, präsentiert sich seine chemische Struktur als Funktionär von Dopamin Wiederaufnahme Hemmer. Diphenidin ist erhältlich in Pulverform. Dies ist für Lagerung sowie Handhabung gut geeignet.

Diphenidin wurde schnell ein bekannter Begriff in der research chemicals Welt. Laut Vertragsbedingung ist die Nutzung dieses Stoffs ausschließlich für kontrollierte in vitro Experimente vorgesehen. Diphenidin ist nicht für menschlichen Verzehr geeignet und ist als empfindliches, wissenschaftliches Material zu betrachten.


Methoxphenidin Die chemische Struktur zeigt, dass Methoxphenidin Eigenschaften sehr ähnlich den Methoxyketaminen und Methoxetaminen sind, einschließlich der Mechanismen selektiver NMDA Gegensätze, die seit neuestem Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen sind. Es könnte auch als Dopamin Wiederaufnahme Hemmer durch die Dopamin Transporter Proteine wirken, das zu analgetischen und antidepressiven Eigenschaften führt. Methoxphenidin ist klassifiziert mit dem IUPAC Namen 1-(1-(2-methoxyphenyl)-2-pnehylethyl)piperdin und wird abgekürzt auch MXP bezeichnet.


Im Jahre 2004 tauchte „Explosion“ in den Niederlanden auf, es enthielt eine Lösung mit dem Inhaltsstoff Methylon (Methylenedioxymethcathinone). Es gibt mittlerweile „Raumluftverbesserer“, die Methylenedioxymethcathinone als Inhaltsstoff aufweisen. Heutzutage wird es vorallem über das Internet angeboten, oft aus Asien importiert. Es hat den Status eines Research Chemicals, die Substanz wurde kaum erforscht.

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Phenethylamine

Phenethylamine, eigentlich 2-Phenylethylamine, auch β-Phenethylamine, Phenylalkylamine und PEA genannt, sind chemische Verbindungen, nämlich Amine, die sich von der Stammsubstanz 2-Phenylethylamin ableiten. Phenethylamine kommen in Mensch und Tier und überall in der Natur vor. Es existieren zahlreiche psychoaktive Phenethylamine vom Entaktogen- und Halluzinogentypus. Die Stoffklasse der Phenethylamine ist eine Gruppe von Substanzen, deren molekulare Struktur ähnlich ist. Zahlreiche Verbindungen dieser Stoffgruppe, insbesondere die Amphetamine besitzen psychotrope Eigenschaften. Immer wieder finden auch sythetisch hergestellte Phenylethylamine als Arzneimittel Verwendung, so zum Beispiel bei „Verapamil“.

Zu den Phenylethylaminen gehören aber auch Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, das Meskalin, das MDMA, Mephedron, Metylon, DOB und 2C-B (2C-I, 2C-C) – um nur einige zu nennen. Vor allem neue Substanzen aus dieser Reihe nennt man Research Chemicals.

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