Synthetische Opioide

Synthetische Opioide werden seit langem in der Schmerztherapie verwendet

Opioide: Der Begriff Opioide wird verwendet, um eine Gruppe natürlicher und synthetischer Substanzen zu beschreiben, die morphinartige Eigenschaften aufweisen und an den Opioidrezeptoren wirksam sind.

Opiate (Opium-Alkaloide) sind Heroin oder Morphin und Codein. Da sie nicht synthetisch hergestellt sind, sondern halbsynthetisch aus dem Schlafmohn, also dem Rohopium (Papaver-somniferum), hergestellt werden, nennt man sie manchmal auch „echte Opiate“.

Papaver somniferum produziert eine Vielzahl von bioaktiven Alkaloiden. Diese Pflanze hat sich zu einem vielseitigen Modellsystem zur Untersuchung des Alkaloidstoffwechsels in Pflanzen entwickelt. Papaver somniferum wird weithin als einzige kommerzielle Quelle der narkotischen Analgetika Morphin und Codein angebaut.

Das Wirkspektrum von Opioiden ist komplex und sehr unterschiedlich. Die wichtigste Wirkung allerdings ist die starke analgetische Eigenschaft. Auch unser Körper produziert – wenn wir schlafen gehen, oder uns verletzen – Opioide – wie das Endorphin (s.g. Neuropeptide). Das ist auch der Grund, weshalb Opioide auch keine nennenswerten negativen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus.

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Papaver-somniferum

Synthetische Opioide: Immer wenn in der Natur eine Pflanze entdeckt wird, welche eine konkrete Wirkung auf den menschlichen Organismus hat, wird versucht, diesen Wirkzusammenhang zu verstehen und die entsprechende Substanz zu finden, welche für eine Anwendung beim Menschen, zum Beispiel als Medikament, in Frage kommt.

Genauso gingen vergangene Generationen vor, als sie die ungewöhnliche Pflanze, Papaver somniferum, auch bekannt als „Schlafmohn“ untersuchten. Von ihr war bekannt, dass sie analgetische Wirkung haben sollte. Schon im Jahre 1804 wurde von dem deutschen Apothekergehilfen Friedrich Wilhelm Adam Sertürner in Paderborn das Morphin isoliert. Die korrekte Summenformel wurde erst im Jahre 1848 von Auguste Laurent ermittelt. Die Totalsynthese des Alkaloids Morphium gelang erst 1956.

Der Pharmakonzern Bayer hat seit 1896 das Heroin als Hustensaft vertrieben. Heroin galt aber damals als Medikament für eine Fülle von Beschwerden und wurde unter anderem auch als Antidepressivum verkauft.

Zur Geschichte von Heroin

Synthetische Opioide: Opioide und Bayer-Heroin

Heroin wurde 1896/1897 von dem deutschen Pharmakonzern Bayer synthetisiert und vor allem als Hustensaft massiv beworben und vertrieben. In den Jahren des 1. Weltkrieges wurden viele Verletzte mit Morphium und Heroin behandelt und kehrten als stark abhängig aus den Kriegswirren zurück. In der Folge gab es in den 20er Jahren eine ausgeprägte Szene von „Morphinisten“ in Europa und Amerika. Sowohl Heroin, als auch Kokain waren nicht verboten und recht einfach zu besorgen.

Der Pharmakonzern Bayer stellte erst 1931 die Produktion von Heroin ein, verkauft wurde Heroin allerdings bis 1958. Im Jahre 1971 dann wurde Heroin verboten. Heute ist die genaue Zahl der Heroin-Konsumenten unbekannt, weltweit wird sie auf 11 Millionen, in Deutschland auf 100.000 bis 200.000 geschätzt.

Synthetische Opioide: eine Übersicht

Hier sind einige synthetische Opioide mit deren Strukturnamen aufgelistet. Die Auswahl zeigt die  Ähnlichkeit zwischen den einzelnen synthetischen Varianten des Morphins.

Bezeichnung: Ocfentanil

(N-(2-fluorophenyl)-2-methoxy-N-[1-(2-phenylethyl)-4-piperidyl]acetamide)

(Ocfentanil wurde als eines aus einer Reihe von potenten Naloxon-reversiblen Opioiden in einem Versuch entwickelt, ein Opioid herzustellen, welches bessere therapeutische Wirkungen hinsichtlich der kardiovaskulären Genese und verminderten Atemdepression aufweist.

Ocfentanil hat in Europa, bzw. in den Niederlanden und Belgien zwischen 2013 und 2015, wo es als synthetisches Heroin (als braunes Pulver) verkauft wurde, zu mehreren Todesfällen geführt. Ocfentanil ist doppelt so stark wie Fentanyl.)


Bezeichnung: Buprenorphin

(5R,6R,7R,9R,13S,14S)-17-Cyclopropylmethyl-7-[(S)-3,3-dimethyl-2-hydroxybutan-2-yl]-6-methoxy-4,5-epoxy-6,14-ethanomorphinan-3-ol

(Buprenorphin ist ein partieller Agonist (und deshalb auch immer auch partieller Antagonist) am Opioid-Rezeptor. Es hat eine etwa 30-mal stärkere Aktivität und längere analgetische Wirkdauer (6 bis 8 Stunden) als Morphin, kann aber als partieller Antagonist bei falscher Anwendung starke Entzugserscheinungen auslösen. Trotzdem hat Buprenorphin die längste Wirkdauer aller Opioide)


Bezeichnung: Metodesnitazen

 N,N-Diethyl-2-[(4-methoxyphenyl)methyl]-1H-benzimidazol-1-ethanamin


Bezeichnung: Brorphin

1-{1-[1-(4-Bromphenyl)ethyl]-4-piperidinyl}-1,3-dihydro-2H-benzimidazol-2-on

(Im April 2021 ereignete sich in Deutschland ein Todesfall, der in Zusammenhang mit dem Konsum von Brorphin stehen könnte. Der Verstorbene hatte vor seinem Ableben ein Päckchen mit einer als Brorphin deklarierten Substanz erhalten und, wie aus der chemisch–toxikologischen Untersuchung hervorgeht, neben Tilidin auch Flualprazolam in einer niedrigen Konzentration konsumiert)


Bezeichnung: Carfentanyl

4-[(1-Oxopropyl)-phenylamino]-1-(2-phenylethyl)-4-piperidin-carbonsäuremethylester

(Carfentanyl wurde 1974 erstmals synthetisiert. Die Substanz wird im Gegensatz zu anderen Fentanyl-Derivaten nicht in der Humananästhesie eingesetzt, sondern in der Veterinäranästhesie (bis 2003 unter dem US-Handelsnamen „Wildnil„) zur Betäubung großer Wildtiere wie z. B. Löwen, Elche, Eisbären usw. genutzt.

Carfentanyl wird mit den Todesfällen bei der Beendung der Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater in Zusammenhang gebracht.)


Bezeichnung: Fentanyl

N-(1-Phenethyl-4-piperidyl)propionanilid

(Fentanyl wurde 1960 erstmals synthetisiert. Es ist etwa 70 bis 100 oder auch 120 bis 125-mal so potent wie Morphin. Gemessen an der Masse ist nur ein Hundertzwanzigstel der Menge an Fentanyl nötig, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Fentanyl besitzt eine höhere Wirksamkeit als Morphin., während die Wirkdauer in der Regel kürzer ist.)


Bezeichnung: para-Chlorfentanyl, 4-Chlorfentanyl

N-(4-Chlorphenyl)-N-[1-(2-phenylethyl)-4-piperidinyl]-propanamid


Bezeichnung: Metonitazen

 4 -[(4-Methoxyphenyl)methyl]-N,N-diethyl-5-nitro-1H-benzimidazol-1-ethanamin


Bezeichnung: Etazene, Desnitroetonitazene

N,N-Diethyl-2-{[(4-ethoxyphenyl)methyl]-1H-benzimidazol-1-yl}-ethan-1-amin


Bezeichnung: Etonitazepipne, N-Piperidino Etonitazene

2-[(4-Ethoxyphenyl)methyl]-5-nitro-1-(2-piperidin-1-ylethyl)benzimidazole

(Etonitazepipne ist ein Benzimidazol-Derivat mit Opioidwirkung. Etonitazepipne ist etwa 100-mal stärker als Morphin und wurde als Designerdroge über das Internet verkauft)

Die synthetischen Opioide Fentanyl und Carfentanil

Die synthetischen Opioide Fentanyl und Carfentanil
Fentanyl und Carfentanil

Synthetische Opioide und ihre Verwendung

Synthetische Opioide werden nicht nur in der klassischen Schmerztherapie verwendet. Auch in der Substitutionsbehandlung wird das „Buprenorphin“ seit 2000 angeboten. Buprenorphin ist ein vollsynthetisch hergestelltes Opioid, welches seit 2000 hier in Deutschland verfügbar ist.

Zunächst wurde es in Frankreich hergestellt und in der Behandlung krebskranker Patienten unter dem Namen Temgesic, in einer Packungs-Dosierung von 0,2 mg Sublingual-Tabletten, angeboten. Es ist durchaus übliche Praxis, Substituierte in wesentlich höheren Dosen zu behandeln. So liegen die durchschnittlichen Dosierungen hier bei etwa 4 mg – 24 mg Tagesdosis.

Die meisten in der Medizin eingesetzten Opioid-Pharmaka sind reine Agonisten, Beispiele sind Tramadol, Codein, Morphin, Levomethadon, sowie die starken Analgetika wie das Fentanyl.

Synthetische Opioide: Pharmazeutische Nachfrage und Drogenmissbrauch

Bei unterbrochener Opioidzufuhr kommt es, nach kurzer Zeit zu einer starken Gewöhnung und anschließender Entzugssymptomatik, die auf einer vermehrten Freisetzung von Noradrenalin beruht. Die Entzugssymptomatik ist ein Diagnosekriterium für eine entstandene Abhängigkeit. Die Behandlung einer Anhängigkeit von Opioiden ist meist nur in einem ambulanten, oder stationären Setting sinnvoll.

Mohn wird weltweit sowohl für pharmazeutische als auch für Ernährungszwecke angebaut. Die erhöhte pharmazeutische Nachfrage ist die Folge der Ausweitung der medizinischen Anwendung von Morphin und verwandten Verbindungen. Der Konsum von Morphin hat seit der zweiten Hälfte der 1980er Jahre stetig zugenommen.

Um den Drogenmissbrauch in europäischen Ländern parallel zu den Verwaltungsvorschriften einzuschränken, wurde jedoch eine neue Strategie in der Pflanzenproduktion angenommen: Im Rahmen dieser neuen Strategie wurde die Züchtung neuer Sorten mit besonders hohem Alkaloidgehalt (15,0–25,0 mg/g Morphin) und alkaloidfreier Sorten für die Saatgutproduktion (mit weniger als 0,1 mg/g Morphin in Kapseln) intensiviert.

Links zum Thema „synthetische Opioide“:

Weblink zu Wikipedia: synthetische Opioide

PDFs zum Thema „synthetische Opioide“

Die „Synthese morphinähnlicher Alkaloide in der Chemie“ beschreibt die Totalsynthese der natürlichen Morphinan-Klasse von Alkaloiden, wie Codein, Morphin, Oripavin und Thebain. Außerdem die eng verwandten voll- und halbsynthetischen Analoga, welche Methorphan, Buprenorphin, Hydromorphon, Hydrocodon, Isocodein, Naltrexon, Nalbuphin und Oxymorphon umfasst.

PDF zum Thema: Die Totalsynthese von Morphium


Morphin ist ein aus Schlafmohn (Papaver-somniferum) gewonnenes Alkaloid und eine der stärksten bekannten analgetischen Verbindungen. Studien aus mehreren Labors haben gezeigt, dass tierisches und menschliches Gewebe oder Flüssigkeiten Spuren von Morphin enthalten. Es wurde angenommen, dass sein Ursprung bei Säugetieren ernährungsbedingt ist. Heute geht man der Frage nach, ob Morphin endogenen Ursprungs ist oder aus exogenen Quellen stammt.

PDF zum Thema: Endogene Bildung von Morphin in menschlichen Zellen


Zur Synthese von Phenyl-[1-aminoalkyl-benzimidazolyl-(2)]-essigsäureestern und -amiden. Einige der hergestellten Derivate zeigen ausgeprägte analgetische Aktivität. Dokumentation der Synthese von Etonitazen, Clonitazen, Nitazen und Opioid-Agonist-Opiat-Narkotikum-Analgetika-Benzimidazolen.

PDF zum Thema: Benzimidazol-Derivate und verwandte Heterocyclen: Synthese von Phenyl-[1-aminoalkyl-benzimidazolyl-(2)]-essigsäure-estern und -amiden


Akute Vergiftungen und Todesfälle im Zusammenhang mit der Verwendung von Benzimidazol-Opioiden (Nitazen-Analogon)

PDF zum Thema: Eine systematische Überprüfung

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