Die Psychedelische Revolution und ihre Folgen für die Industrielle Gesellschaft

Gesellschaftlicher Dissens schafft kreatives Neuland: Die „Psychedelische Revolution“

Die „Psychedelische Revolution“ hat sich für die Menschheit als eine Bereicherung erwiesen. Denn, nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wirtschaftswunder der 50er Jahre, verbreitete sich hier und dort die Annahme, das Leben wäre unerfüllt, denn die Menschen würden in der industriellen Gesellschaft des westlichen Kapitals, in eine unwürdige Abhängigkeit getrieben, die letztlich das Individuum und seine Entfaltung untergraben würde.

Das, was wir heute als Psychedelische Revolution bezeichnen, begann 1938 mit der Entdeckung des LSDs durch Albert Hofmann in Basel. Sein erster LSD-Trip der Menschheitsgeschichte, im Jahr 1943, ist in die Geschichtsbücher eingegangen und wird heute in Form des „Bicycle-Day„, am 19. April jeden Jahres, von der Psychedelischen Gemeinschaft auf der ganzen Welt, gefeiert.

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Albert Hofmann

In der Folge begann – aufgrund der tiefgreifenden und neuartigen Erlebniswelten, welche das LSD, ausmachten – ein regelrechter Hype um Psychedelika, wie später das Psilocybin, Mescalin, MDMA, das DMT und all den anderen Substanzen, um die sich Namen wie Terence McKenna, R. Gordon Wasson, Sasha Shulgin, Paul Daley, Timothy Leary, John C. Lilly und Kulturschaffende, wie William S. Burroughs oder Allan Ginsberg scharen.

Heute besteht kein Zweifel mehr an der Relevanz, dieser auch Psychedelischen Renaissance – genannten subkulturellen Phase, die in den 60er und 70 er Jahren zunächst einmal kullminierte, welche die Beat-Generation als auch die Hippi-Bewegung stark prägte und sich bis heute fest (aber fast unbemerkt) in der westlichen Kultur verankert hat.

Sei es in der Malerei – von Andy Warhol, H.R. Giger oder Alex Grey – in der Literatur – wie Allan Ginsberg, William S. Burroughs oder Aldous Huxley – aber auch in der Musik, der Mode und in der Lebensweise. Aber auch in der Ernährung, in dem Verständnis von Natur, Gesellschaft, Krankheit, Genesung und Tod.

Das Schlagen von Kindern durch den Lehrer wurde verboten, plötzlich gab es die Pille für die Frau und eine mündige Straßenbewegung forderte eine tolerante Gesellschaft, ohne Altnazis als Entscheider.

Trance-Dance als Kulturerbe – die Renaissance der Bewegung zur Musik

Viele „Westler“ blickten damals neidisch auf die jahrtausendalten Weisheiten des Buddhismus und des Hinduismus, sie lernten Yoga und Meditationstechniken, suchten zunächst spirituelle Führer, oder den Aufenthalt in einem Kloster, vernab der Zivilisation. Ein neuer Schamanismus blühte auf und weil man heute nicht mehr verbrannt wird, trauten sich die ersten Hexen wieder an die Öffentlichkeit.

Einige kreative Köpfe landeten zu dieser Zeit in Indien, auf der Halbinsel Goa – bis heute ein hartnäckiges Synonym für die großartigen experimentellen Veränderungen in der Musik. Sie entwickelte sich in dieser urbanen Umgebung hin zum „Psycedelic-Underground-Sound“ – damals einfach, wie heute, auch „GOA“ genannt. Das stundenlange Tanzen, bis in eine tiefe Trance hinein, wurde wiederentdeckt als die älteste Form des Tanzkultes ansich.

Viele Suchende fanden Antworten auf grundlegende Fragen, die den Menschen seit jeher umtreiben: die Frage nach der Existenz Gottes, die Frage nach dem Ursprung der Religionen, die Qintessenz sozialer Gemeinschaften – und nicht wenige sind unheimlich dankbar, dass sie genau diese Erfahrungen: nämlich in einem veränderten Bewusstsein und mithilfe uralter Tanzrituale, gemeinsam mit Anderen, diesen tiefen Einblick in die Gemeinschaft, die Evolution und die Liebe zwischen den Menschen, gewinnen durften.

Einst sagte jemand zu mir: Was wäre mein Leben ohne Musik? Gemeinsam mit Anderen auf einer Wiese zu tanzen, bis in den Morgen hinein und damit Gott und Mutter Erde zu ehren. Heute bin ich glücklich. Hätte ich das nicht entdeckt, wäre mein Leben grau und trostlos.



So hat hat sich seit Woodstock kontinuierlich eine Partyszene weiter-entwickelt, die sich immer mehr und immer konkreter mit dem Verwenden von Psychedelika und einer bestimmten Grundhaltung identifizierte. In den 70er Jahren fuhren die – später als Greatfull Dead bekannten Musiker – zusammen mit Ken Kesey (Autor von: „Einer flog übers Kuckusnest“) in dem Magik Bus und machten in Städten halt, um den so genannten „Acid-Test“ anzbieten. Für die Teilnehmer jener Zeit, war das gelebte Kybernetik.

Kybernetik als Wegweiser in ein neues Jahrtausend: Konstuktivismus

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Kybernetik wird gerne in alten Büchern als „Steuerungs -und-Regeltechnik“ beschrieben. Erstmals benötigt wurde die Kybernetik, welche zunächst ein mathematisches Konstrukt war und eine Philosophie mit sich brachte, im Zweiten Weltkrieg. Man wollte Geschütze so programmieren können, dass sie den Flug einer V2-Rakete vorhersehen konnten.

Norbert Wiener gilt als der Vater der Kybernetik, auch wenn dieser begriff schon von den alten Griechen verwendet wurde. Sein Grundlagen-Werk: Cybernetics, ist eine Einführung in das Thema und galt seinerzeit als revolutionär. Auf Norbert Wiener beziehen sich letztlich alle Kybernetiker und Konstruktivisten. Letztlich ist Kybernetik eine Systemtheorie, aus der sich der Konstuktivismus und auch die Chaos-Theorie entwickeln sollte.

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Nicht zu vergessen sind Namen wie Buckminster-Fuller. Nach ihm wurde eine elementare Modifikation des Kohlenstoffs benannt, die Fullerene, deren chemische Ball-Struktur hat er theoretisch postuliert und sie wurde später dann tatsächlich entdeckt. Das bisher am besten erforschte Fulleren C60 wird auch als Buckminster-Fulleren beziehungsweise Bucky Ball bezeichnet. Er gelangte genauso Berühmtheit wie, James Watson und Francis Crick, welchem die Doppelhelix-Struktur unserer DNA im Traum erschien. Oder Erwin Schrödinger, dessen Gedanken-Experiment die beobachter-abhängige Problematik diverser, zeitgleicher, sich einschließender Realitäten illustriert.

„Was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, ist unsere Erfindung.“ H. v. Foerster

Einer der bekanntesten Vertreter des Radikalen Konstruktivismus – neben Paul Watzlawick – ist Heinz von Foerster. Die nüchterne Feststellung, dass es eine beobachterunabhängige Realität nicht geben kann und deshalb „die Realität“ nicht existiert, hat sich in den letzten 40 Jahren in der wissenschaftlichen Fachwelt etabliert und ist inzwischen auch auf populärwissenschafttlicher Ebene zum Gemeinplatz geworden. Leider mit Auswüchsen wie „The Secret“ und anderem Schabernak.

Dem Radikalen Konstruktivismus werden – wenn auch widerwillig – die Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela als Hauptvertreter zugerechnet. Ihr epochales Werk: „Der Baum der Erkenntnis“, erschien Anfang der 80er Jahre und entwickelt aus der Perspektive von Naturwissenschaftlern den konstruktivistischen Gedanken in einen geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich hinein und erweitert dieses ohnehin große Feld nochmals erheblich – und das lesbar für eine große Fangemeinde.



Und zweifellos ist diese Feststellung – das Realität etwas ist, das Veränderungen unterworfen ist und verändert werden kann – eine der fundamentalsten Erkenntnisse, die man auf einem Psychedelischen Event haben kann. Und die Tatsache, dass sich diese Geistesströmung des Konstruktivismus, ausgerechnet in der Mitte des letzten Jahrhunderts enwickelt hat, ist auch dem Auftauchen von Psychedelica zu verdanken (siehe aber auch: Strukturalismus).


„Gibt es ein Geräusch, wenn im Wald ein Baum umfällt, aber niemand da ist, der es hören könnte?“

ZEN-Buddhistisches Gedankenspiel*

Der Vorhang fällt: Die Backsteinmauer im hinteren Teil des Theaters

Frank Zappa sagt in einem Interview: „Die Schulen bringen den Menschen bei, unwissend zu sein, und zwar mit Stil. Sie geben dir die Ausrüstung, die du brauchst, um ein funktionaler Ignorant zu sein. Amerikanische Schulen rüsten dich nicht dafür aus, mit Dingen wie Logik umzugehen; sie geben dir nicht die Kriterien an die Hand, nach denen du zwischen „Gut“ und „Schlecht“ in irgendeinem Medium oder Format beurteilen kannst; und sie bereiten dich darauf vor, ein brauchbares Opfer für den militärisch-industriellen Komplex zu sein, der Arbeitskräfte braucht.

Solange du gerade klug genug bist, um einen Job zu machen, und gerade dumm genug, um zu schlucken, was sie dir geben, wird es dir gut gehen. Aber wenn du darüber hinausgehst, dann wirst du diese ernsten Zweifel haben, die dir Magenprobleme und Kopfschmerzen bereiten… und dich dazu bringen, etwas anderes zu tun. Ich glaube also, dass die Schulen mechanisch und sehr gezielt versuchen, jeden Anflug von kreativem Denken in den Kindern, die aus der Schule kommen, herauszuzüchten.“

Die Illusion der Freiheit wird so lange aufrecht erhalten, wie es profitabel ist die Illusion aufrecht zu erhalten. An dem Punkt, an dem die Aufrechterhaltung der Illusion zu teuer wird, werden sie einfach die Kulissen abbauen, die Vorhänge zurückziehen, die Tische wegräumen und man wird die Backsteinmauer im hinteren Teil des Theaters sehen…

Frank Zappa


Seid die Letzten. Bewegt euch in der Welt so, als gäbe es euch nicht. Bleibt unbekannt. Versucht nicht, die Ersten zu sein; begebt euch nicht in den Konkurrenzkampf; versucht nicht, euren Wert zu beweisen. Denn das Leben ist dazu da, dass man sich daran erfreut und es feiert.

ZEN-Buddhistischer Spruch

Die Psychedelische Revolution: Ihre Bedeutung für den Einzelnen

Was die Psychedelische Revolution also für den Menschen leisten kann, ist, eine gewissenhafte Aufklärung* und die tiefgreifende Erkenntnis, dass das Bewustsein etwas ist, das jeder Einzelne selbst entdecken muss. Das wir eben noch nicht aufgeklärt sind, auch wenn wir das bis dahin wirklich dachten. Niemand anderes kann das für uns übernehmen. Auch ist es sinnlos ein Buch zu lesen und dann zu glauben, man wüsste Bescheid.

Diese Entdeckungsreise durch das eigenes Bewusstsein, in sein eigenes Denken, seine Glaubenssätze, in das, was man seine eigene Wirklichkeit nennen könnte, bedeutet demjenigen, der diese Wirklichkeit erlebt, zugleich Heilung, Verstehen, Selbstannahme und die Gewissheit, das alles im Universum auf mystische Art und Weise miteinander verbunden ist. Es ist auch eine Renaissance der Magie und der Liebe.

Diese Erkenntnis, das ich eine Wahl habe, mich zu entscheiden, weil eben nichts einfach schon festgelegt ist: das ist das große Geschenk der Psychedelischen Revolution. Dann, selber zu entscheiden: wer bin ich, bzw. wer ich sein möchte?! Und manchmal muss ich selbst die Veränderung sein, die ich mir wünsche.

Eine neue Zeit bricht an.

Kein anderer Ort birgt eine neue Chance.

Sie liegt in dir.

Und willst du sie nutzen, musst du sie sein.

unbekannte Herkunft

Ich behaupte, dass die großen Gesellschaftlichen-Themen, wie die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Forderungen der Studentenbewegung, die Frauenbewegung oder die sexuelle Revolution, später dann die MeToo-Bewegung, die Fridays for Future und die Veränderungen in der Schwulenbewegung seit 1985, wären in dieser Intensität und Geschwindigkeit ohne Psychedelika nicht möglich gewesen.

Die häßliche Fratze der Maschine: Analyse der Eskalation

Die Psychedelischen Bewegung ist pazifistisch, ihr Verzicht auf Gewalt ergibt sich gewissermaßen aus der Psychedelischen Erfahrung, muss also nicht mehr argumentiert werden. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle, dass es eine Minderheit einfach nicht lassen konnte, dem Staat – zumindest hier in Deutschland – seine häßliche Fratze zu zeigen. Ich sage nicht, dass Andreas Baader ein Psychonaut war. Das war er nicht.

Das Konzept „Stadtguerilla“, konnte nur in diesem sehr kleinen Zeitfenster in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in Westdeutschland funktionieren. Und eine handvoll Idealisten haben ihr Leben weggeworfen, zugunsten einer politisch widersprüchlichen Idee. Nun, diese Zeiten sind Geschichte.

Mit der Gründung der „Grünen“ gesellten sich die, die es damals schon ernst meinten, zu denen die einfach zu unflexibel und zu alt waren, wirklich was Neues zu denken. Aber ab 1980 waren sie da und sind geblieben.

Die pazifistische Psychedelische Revolution findet heute fast unkommentiert und jenseits der Massenmedien statt, und das aus gutem Grund. Gerade weil sie die größte Kulturrevolution nach 1945 ist, bleibt sie unkommentiert. Der Verzicht auf Gewalt/Pazifismus ist inhärentes Element der Psychedelischen Erfahrung, vom Charakter her eigentlich identisch mit der Idee des „Kategorischen Imperativs„, Kant: „Kritik der reinen Vernunft“).

Heute ist allgemein bekannt, dass der Staatsapparat nach den großen Studentenunruhen der späten 60er und frühen 70er Jahre, eine genaue Analyse der Eskalation durchführte. Nicht nur in Deutschland. Unter anderem wurden auch bekannte Vertreter wie Erich Fromm beauftragt, die gesellschaftlichen Vorausetzungen zu untersuchen, welche zu einem so großen Bruch innerhalb einer „demokratischen Gesellschaft“ führen konnte und – vor allem – wie man so etwas am Besten in der Zukunft vermeidet.

Zweifellos ist eine der damals ausgesprochenen Empfehlungen, die, dass eine Staatsmacht, welche sich von einer „revoltierenden Jugend“ provozieren lässt, letztlich Gefahr läuft, nicht mehr ernst genommen zu werden. Und, … dass es wohl das Beste ist, eine „Kulturbewegung“, welche den gesellschaftlichen Frieden nicht stört, einfach in Ruhe zu lassen. Und genau das ist passiert.

Worüber in den Nachrichten nichts gemeldet wird, dass gibt es auch nicht. Jedenfalls nicht in den Köpfen der teilnehmenden Mitglieder dieses Zirkus. Und das genügt erst einmal. Inzwischen hat sich aber hier etwas geändert: Einige, der „Acid-Heads“ von damals, sitzen heute in wichtigen Positionen oder auch drogenpolitischen Projekten als Multiplikatoren, Meinungsmacher, Ideengeber und Konzepteschreiber. Sie fordern Dinge, wie das Drugchecking. Der Vorbote der Legalisierung.

Keine Feinde, kein Thema, keine Lobby – und doch: von der Sub-Kultur zum Kulturgut

Also, keine Friktion, aber auch keine Dokumentation des Psychedelischen Undergrounds in den Massenmedien. Es ist, als gäbe es die Psychedelische Revolution nicht, als fände sie nicht statt. Obwohl sie „die“ eine große Jugendbewegung der 90er und 2000er Jahre war. Nur über die kommerziellen Auswüchse à la „Love-Parade“ wurde berichtet und jeder wollte dabei sein. Gerade als der Mammon träge und überfüttert abkasieren wollte, brachen die Kulissen allerdings zusammen.

Wenn nach 30-40 Jahren Prohibition, ein Psychedelikum wie Cannabis-Indica, entkrimminalisiert wird, werden nicht etwa die Protagonisten genannt, die in den letzten 20 Jahren nahezu jeden Tag in ihrem Lebnen für eine Legalisierung gekämpft haben (wie der Deutsche Hanfverband) genannt, nein, es sind plötzlich Politiker der FDP, welche sich vor die Kamera stellen und voller Überzeugung sagen: die Freigabe von Cannabis an Erwachsene ist das Vernünftigste im Umgang mit diesem Thema.

Nun, so wird es letztlich auch sein, wenn MDMA, Psilocybin und LSD vollumfänglich in der Psychotherapie anerkannt werden. Es wird ein schleichender Prozess werden, der aber von großen aufklärerischen Dokumentationen mit fachkundigem Personal begleitet wird, bis auch der letzte Hinterwäldler weiß, dass Psychedelika bei PTBS besser helfen als jedes andere Arzneimittel und auch bei Cluster-Kopfschmerz oder bei Zwangs-Störungen das Mittel der 1. Wahl sein werden.

Der Materialismus westlicher Gesellschaften und Psychedelika

Die Frage aber, wie man denn einen Pilz besteuert, der einfach im Wald vor sich hin wächst – und das seit tausenden von Jahren – und wie man vermeiden will, dass ein Mensch womöglich eigenständig und ohne staatliche Genemigung diese Substanzen nimmt, weitergibt oder einen „Trip“ auch nur begleitet … wie man also mit Mutter Natur umgeht, um weiterhin Geld aus ihr zu pressen, dass bleibt an dieser Stelle besser unbeantwortet…

Man sagt zwar: „Wo kein Kläger, ist kein Richter“ – aber sind wir mal ehrlich: Bevor es diese großen erhabenen Staatsgebilde gab, konnte ein Mensch sich in der Apotheke der Natur bedienen und sich so auch ein unheimlich großes Kompendium an Wissen aneignen. Wie wir alle wissen, hat nicht zuletzt die Christianisierung dazu geführt, dass dieses Wissen beinahe verloren gegangen wäre.

Und hätten wir nicht zufällig Ötzi entdeckt, der in einem Säckchen an seinem Gürtel nachweislich Psilos transportierte, würden wir eben nicht wissen, dass es in den Alpen schon seit 5000 Jahren das Wissen um die Wirksamkeit Psychedelischer Pilze gibt. Wir sollten uns darauf konzentrieren, dass das Wissen um die Wirksamkeit Psychedelischer Substanzen und ihre praktische Verwendung, ein immaterielles, globales Kulturgut ist und bleibt. Es ist unveräuserlich und nicht käuflich. Es kann nicht von einer Person oder von einem Konzern in Besitz genommen werden.

Zur Zeit macht ein neues Verfahren von sich reden, durch das – in herkömmlicher Hefe – reines Psillocybin und Psilocin gewonnen werden kann. Die Forscher melden nun ihr Verfahren zum Patent an. Das müssen sie tun, da sich sonst jemand anderes an dieser neuen Idee eine goldene Nase verdienen kann. Was bleibt: Psilocybin und Psilocin sind die aktiven Wirkstoffe halluzinogener Pilze und als solche unveräusserlich und nicht käuflich. Eigentlich ist das so.

Atzteken und Maya: die ältesten Psychedelischen Kulturen der Erde

Und überhaupt: wie steht es denn um die Atzteken, die Maya oder die Inka? Man kann davon ausgehen, dass auf dem Amerikanischen Kontinent eine bis zu 8000 Jahre andauernde Kultur um Psychedelika – wie Meskalin und Psilocybin – gegeben hat. Naja, bis unsere Vorfahren davon erfuhren und in kurzer Zeit alles dem Erdboden gleichmachten. Im Grunde ruht unser Wohlstand auf dieser unwürdigen Form eines Kolonialismus.

Uns sind ganze vier Codices geblieben, die von der Pracht und dem ungeheuem Wissen der Prä-Kolumbianischen Völker berichten. Ihr geistiger Kosmos aber bleibt uns zunächst verborgen. Das diese Kulturen auch Menschopfer kannten, wird gemeinhin als „rückständig“ angesehen. Gerne stülpen wir denen in der Vergangenheit praktizierenden Zeremonienmeistern ein naives, fast schon kindliches Weltbild über. Wir gestehen uns aber nicht ein, dass wir es eben nicht wissen können: wie nämlich eine mehrere tausend Jahre alte Pilzesser-Kultur gedacht, gefühlt und gelebt hat.

Was bedeutet es denn, wenn eine ganze Gesellschaft eben nicht Alkohol konsumiert, sondern vor allem starke Psychedelika wie Psilocybin oder Meskalin? Was passiert in einer Gesellschaft, wenn das Wissen um die Pilze über viele, viele Generationen weitergegeben wird?

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Pilz-Ritual bei den Maya

Leider ist es müsig darüber nachzudenken, weil wir es nicht wissen können. Und es wäre arrogant zu glauben, wir könnten uns heute ein Bild machen von ihren kulturellen Errungenswchaften, von ihrem Wissen, ihrem Bewusstsein, von der Tiefe ihres Verständnisses des Universums.

Stanislav Grof gibt uns ein Beispiel, wie wir uns auch heute dieser Kultur annähern können. Auf einem seiner psychedelischen Reisen, hat er festgestellt (ich glaube er hat Ketamin genutzt), dass die partiellen Schädelöffnungen bei Atzteken, dazu dienten, das Bewusstsein zu erweitern. Es war ein Sakrileg, ein ritueller Eingriff innerhalb einer Zeremonie und keine medizinische Operation.

Was also passiert in einer Gesellschaft, wenn das Wissen um die Pilze über viele, viele Generationen weitergegeben wird, werden wir vielleicht in einigen Generationen – auf unsere eigene Weise – selber erfahren. Denn, die Psychedelische Revolution hat ja eben erst begonnen und wird in der Zukunft ein Teil unserer Identität, unserer Genetik, unseres Wissens um uns selbst und dem Universum in dem wir zukünftig gerne leben möchten.

Kai Morgenstern

Weiterführende Informationen und Weblinks zum Thema

Der Nachtschatten-Verlag schreibt dazu in „Lucys Rausch“ zum Beispiel: „… Das psychedelische Thema wird also endlich mit der notwendigen Sachlichkeit angegangen – die Terminologie und Propaganda des War on Drugs wird nach und nach entschleiert – und auch im Mainstream immer neutraler behandelt. Die psychedelische Kultur spielt aller Wahrscheinlichkeit nach zukünftig in gesellschaftlicher Hinsicht eine eminentere Rolle, als es in den vergangenen Jahrzehnten durch die systematische politische Unterdrückung möglich gewesen war.“


Markus Berger schreibt: „Ich wünsche erhellende Momente der Inspiration sowohl in geistiger wie in gesellschaftlicher Hinsicht. Was wir jetzt vermehrt brauchen, ist gegenseitiges Verständnis, Toleranz, Offenheit und Solidarität – alles Eckpfeiler, für die die psychedelische Bewegung von Anfang an gestanden hat.“


Stanislav Grofs großes Handbuch der psychonautischen Praxis, eine Enzyklopädie über die Vielfalt psychedelischer Erfahrungen, verdichtet das Wissen des Autors, eines erfahrenen Psychiaters, Psychotherapeuten, Psychonauten und Erfolgsautors, der seit vielen Jahrzehnten professionell erweiterte, veränderte, sprich holotrope Bewusstseinszustände erforscht.


Der Weg des Psychonauten ist ein wertvolles Nachschlagewerk für alle Psychonauten, ob Privatforscher oder akademische Wissenschaftler, das vollständig auf den Erkenntnissen der gelebten psychedelischen Praxis basiert. Stanislav Grof schlüsselt die Geschichte der Psychonautik, die Genese der psychedelischen Revolution und der medizinischen Erforschung bewusstseinsverändernder Substanzen sowie deren Potenzial und Verwendung in Psychologie und Psychiatrie auf und vermittelt eine neue Kartografie der Psyche.


Weblink: Paul Watzlawik: Von der Kunst unglücklich zu sein


Weblink: Psychedelics and Mental Health: A Population Study


Meine erste große LSD-Erfahrung:

Als ich meinen ersten „richtigen“ LSD-Trip genommen habe, waren das „Windows„, also Gelatine-Vierecke, mit einer Kantenlänge von 5-7 mm. Ich war damals noch jung – hatte aber genug Erfahrung, um zu wissen, dass ich mir alles, was ich mir für diesen Abend vorgenommen hatte, über Bord werfen konnte. Es war der 15.07.1989 und Pink Floyd spielte die ganze Nacht im Radio „live in Venedig“. Das war ein super Zufall. Ich beobachtete den Tau auf den umliegenden Bäumen, vielleicht hatte es auch kurz vorher geregnet, und die untergehende Sonne brach ihre Strahlen an jedem Tautropfen, der umliegnenden Flora.

Ich fixierte diese Tautropfen und den kristallenen Tanz des Lichtes, den sie aussendeten. Genau an diesen sehr kleinen optischen Phänomen, entwickelte sich nun das, was ich als die „Dekonstruktion“ meiner visuellen Realität beschreiben würde. Ich spürte, dass eine erhebliche und starke Veränderung bevorstand. Und so blieb ich sitzen und beobachtete, wie sich meine ganze Optik veränderte. Ausgehend von den Tautropfen wurde meine gesamte Realität – vorzüglich aber die visuelle Wahrnehmung – Sensationell vollständig dekonstruiert.

Ich war so überwältigt von der Intensität des LSDs, dass ich kontinuierlich in die Welt hinausschaute und Zeuge wurde von einem Phänomen der Wahrnehmung (Das Wort „Phänomen“ beschreibt schon im Altgriechischen eine Erscheinung, womit ein mit den Sinnen wahrnehmbares einzelnes Ereignis gemeint ist), welches ich bis dato noch nicht kannte: nämlich, dass ich aktiv meine Halluzinationen beeinflussen konnte. Ich konnte meine Gedanken sichtbar machen. Also die Bilder „da drausen“ entstanden als Idee in meinem Kopf. Es war der umgekehrte Weg als sonst, sozusagen.

ich verstand, das ich durch das LSD meinen Geist als ein kreatives, plastisches Tool nutzen konnte. Jedenfalls für mindestens 8 Stunden.

Als ich einige Stunden später – immer noch sitzend am Höhleneingang – die Wände der Höhle betrachtete, erkannte ich Atztekische Muster, Ornamente und Masken, die mich an die Kunst Prä-Kolumbianischer Völker erinnerten. Das Verblüffende für mich war, dass die visuellen Phänomene, die ich an der Wand betrachten konnte, nicht verschwanden oder sich bewegten (wie sonst so vieles).

Sie waren statisch. Ohne jeden Zweifel. Auch wenn ich – wie ich es mehrmals versuchte – wegschaute und einige Zeit wartete, um dann wieder hin zuschauen: ich sah immer die gleiche optische Sensation. Atztekische Muster und Ornamente, die eindeutig statisch waren – also an Ort und Stelle verblieben und sich nicht bewegten oder zerflossen wären – nicht einen Millimeter. Ich konnte sogar Aufstehen und näher kommen und sie mir aus verschiedenen Perspektiven genau betrachten. Ich hatte eine glasklare Optik. Es war, als wären die Ornamente schon immer dort gewesen und nur ich war es, der sie jetzt erst sah.

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Das-Auge-und-die-Schule: Repräsentation der Wirklichkeit?

Ich habe etwas gesucht, bis ich endlich, auf den Konstruktivismus gestoßen bin. Er half mir, das Erlebte in einen philosophischen Kontext zu stellen. Den nämlich, das Realität etwas ist, das unser Gehirn in jedem Augenblick selber konstruiert. Realität ist nichts Externes, welches im Inneren dann abgebildet wird, wie wir es in der Schule gelernt haben. Und diese Erkenntnis hat weitreichende Folgen. Für mich persönlich, aber auch auf der Ebene der Naturwissenschaften.

Denn, wenn Realität nicht beobachterunabhängig Existiert, sondern sich verändert, je nach dem wer, wann, wohin schaut, was untersuchen wir dann eigentlich, wenn wir die Grundbausteine des Universums erforschen? Warum ist ein Atom kein „Ding“ – wie etwa eine Kaffeemaschine?

Es existiert ein ganzes Füllhorn von Phänomenen – gerade seit Heisenberg und Schrödinger – die in dem Satz von Albert Einstein gipfeln: Ich kann einfach nicht glauben, dass es den Mond nicht geben soll, nur weil niemand hinschaut.

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*) Nein, es gibt kein Geräusch! Wie auch? „Das Geräusch“ ist ein Phänomen des Geistes und „es“ bedarf der Ohrmuschel, bzw. der Schnecke, damit Schallwellen durch das Ohr in unser Gehirn dringen und dort das Phänomen „Geräusch eines fallenden Baumes“ auslösen. Wer trotzdem hartnäckig daran festhalten möchte, dass es Geräusche auch beobachterunabhängig gibt, den gebe ich die heilige Dreieinigkeit von Subjekt, Objekt und Prozess der Wahrnehmung, mit auf den Weg…

Das beobachtende Subjekt, schaut auf das Objekt „Baum“. Die dritte Größe ist der Prozess der Wahrnehmung. Dieses „Dreigestirn“ funktioniert ausschließlich als Dreiheit! Subjektive Erfahrung einer externen Objektwelt durch einen Prozess, der Subjekt und Objekt miteinander verbindet. Die Wahrnehmung. Dies ist natürlich nur eine Geschichte. Auch zu finden in den „Upanishaden“.

2*) Thema: Aufklärung. Gemeint ist hier die um das Jahr 1700 einsetzende Entwicklung, welche alle dem Fortschritt behindernden Strukturen überwinden wollte. Es galt, Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen. Dazu sollte die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, mit der man sich von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen und Ideologien gegen den Widerstand von Tradition und Gewohnheitsrecht befreien will, als absolute Instanz jede Form von Aberglaube und festgefahrenen Vorstellungen überwinden.

Wenn jemand allerdings heute in der Schule lernt, dass das Zeitalter der Aufklärung Ende des 18ten Jhd. war, dann glaubt dieser Mensch auch, er selbst sei ja nun aufgeklärt – er selbst lebe in einer aufgeklärten Welt. Das dies eben nicht der Fall ist, ist eine der wesentlichen Einsichten eines erhellenden psychedelischen Ereignisses.

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