John C. Lilly

John C. Lilly – Delphinforscher, Autor und LSD-Pionier

John C. Lilly (* 6. Januar 1915 in St. Paul, Minnesota; † 30. September 2001 in Los Angeles, Kalifornien)

In der Provinz des Geistes ist das, was man für wahr hält, entweder wahr oder wird innerhalb bestimmter Grenzen wahr. Diese Grenzen sind experimentell und experimentell zu finden.

Wenn diese Grenzen gefunden werden, erweisen sich weitere Überzeugungen, die überschritten werden müssen. In der Provinz des Geistes gibt es keine Grenzen.

In der Provinz des Körpers gibt es jedoch bestimmte Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.

John C. Lilly

Zu behaupten, John C. Lilly wäre lediglich ein Delphinforscher und LSD-Pionier gewesen, ist eine oberflächliche Betrachtung eines Geistes, der in seiner Lebenszeit so viel für die Psychedelische Germeinschaft und auch für ein würdevolles Leben von Delphinen getan hat. Oder wusstest du, dass der Samadhi-Tank (Floating-Tank) eine „Erfindung“ von John C. Lilly ist?

John C. Lilly, Ginsberg, Burroughs und die Beat-Generation

Eine gute Frage ist, warum heute kaum jemand seinen Namen in einer Reihe mit Timothy Leary, Allan Ginberg und Gordon Wasson nennt. Vielleicht liegt das daran, dass Lilly zu Lebzeiten wirklich eher ein zurückhaltender Mensch war, der das Rampenlicht scheute und viel Zeit seinen Forschungen widmete. Und doch war er Teil einer gesellschaftskritischen Gegenkultur.

John C. Lilly war ein fester Bestandteil der unkonventionellen und am Wirtschaftwunder uninteressierten Beat-Generation und eng befreundet mit Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Timothy Leary

Der Einfluss der Beat-Generation als erste „moderne literarische Subkultur“ zieht sich durch die nachfolgenden alternativen und gesellschaftskritischen Texte und Lebensweisen von John C. Lilly.

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Allan Ginsberg-Timothy Leary-John C. Lilly (v.l.)

Psychedelika, Huxley und die Kommunikation mit Tieren

1934 las John C. Lilly, Aldous Huxleys „Schöne neue Welt„. Die pharmakologischen Kontrollmethoden der Huxley-Dystopie und die Verbindungen zwischen physikalisch-chemischen Prozessen des Gehirns und subjektiven Erfahrungen des Geistes, halfen Lilly, sein Studium der Physik aufzugeben und sich schließlich auf die Neurophysiologie zu konzentrieren.

John C. Lilly wurde Neurowissenschaftler, Psychoanalytiker, Delphinforscher und Psychonaut.

Das „Ich-Bewusstsein“, also die Fähigkeit, bewusste Entscheidungen zu treffen und einfach „da“ zu sein; also das Erleben, Denken, Fühlen, gezieltes Handeln, Farb- und Klangempfinden des Menschen … diese Fähigkeit bildet sich in der Hirnrinde. Sie ist der außen liegende Teil des Großhirns. Mediziner sprechen vom Neocortex. Der Neocortex steuert die Sprache und das Bewusstsein einer Person. Die Größe des Neokortex beim Menschen ist voluminöser als bei anderen Säugern, was den Menschen zum Träger einzigartiger geistiger Fähigkeiten macht.

Die Geburt der Delphinarien – Lillys Vermächtnis

Wärend seiner Arbeit an Delphinen, fand der Neurowissenschaftler John C. Lilly heraus, dass ihr Gehirn entscheidende Ähnlichkeiten mit dem menschlichen Gehirn aufweist. Um das aber herauszufinden, war es nötig, einen Delphin zu sezieren. Es war nun einmal eine Zeit ohne MRT, oder andere minimal-inversive-Methoden. John C. Lilly war regelrecht geschockt von der Feststellung, „Ich-Bewusste“-Idividuen getötet zu haben. Und das, „im Namen der Wissenschaft“. Lilly war sich nun sicher, das Delphine (und bestimmte Walarten) eine ebenso stabile Ich-Wahrnehmung haben, wie wir Menschen.

Diese Erkenntnis wurde zu der Geburtsstunde von „Delphinarien“ – so wie wir sie heute kennen. Er war der Erste, der an der Westküste der USA – in Kalifornien, direkt am Meer – eine Einrichtung errichtete, zu denen Delphine kommen konnten, wann immer sie wollten. Diese Zusammenarbeit zwischen Menschen und Delphinen, wurde so „demokratisch“. Ohne Zwang und eines, in einem Höchstmaß an die natürlichen Bedürfnisse der Delphine, angepasstes Projekt.

In den 1980er Jahren leitete John C. Lilly ein Projekt, das versuchte, Delfinen eine computersynthetisierte Sprache beizubringen. Er entwarf ein zukünftiges „Kommunikationslabor“, das ein schwebendes Wohnzimmer sein sollte, in dem sich Menschen und Delfine auf Augenhöhe unterhalten und eine gemeinsame Sprache entwickeln konnten.

Er experimentierte sogar damit, Delfinen LSD zu verabreichen – was schließlich zum Ausschluss aus der orthodoxen wissenschaftlichen Gemeinschaft führte.

In den 1990er Jahren zog Lilly nach Maui, Hawaii, wo er den größten Teil seines restlichen Lebens verbrachte. Seine literarischen Rechte und wissenschaftlichen Entdeckungen gehörten Human Software, Inc., während seine philanthropischen Bemühungen der Human Dolphin Foundation gehörten. Das John C. Lilly Research Institute, Inc. erforscht weiterhin Themen, die für Lilly von Interesse sind, und führt sein Vermächtnis fort.

Die Programmierung des menschlichen Biocomputers: Publikationen von John C. Lilly

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Die Erfahrungen mit Psychedelika wie LSD und Ketamin hat bei Lilly eine unstillbare Neugierde freigesetzt. Lillys Karriere als Wissenschaftler begann mit der Forschung für Universitäten und Regierungen. Nach und nach begann er, weniger konventionelle Themen zu erforschen. Er veröffentlichte 19 Bücher, darunter The Center of the Cyclone, das seine eigenen LSD-Erfahrungen beschreibt, und Man and Dolphin und The Mind of the Dolphin, die seine Arbeit mit Delfinen beschreiben.

John C. Lilly war Zeit seines Lebens ein Suchender. Und vielleicht hat sein Studium des Gehirns ihn dazu gebracht, sich näher mit den in den 60er Jahren aufkommenden psychedelischen Drogen, wie LSD, auseinanderzusetzen. Aus einer Reihe von Selbstversuchen ist unter anderem das Buch „Im Zentrum des Zyclons“ entstanden. Eine einmalige und schonungslose Beschreibung und Analyse seiner LSD-Erfahrung. Und warscheinlich sein populärstes Buch. Lilly hat in einer Zeit, in der es nur sehr wenig gesicherte Erkentnisse über den Verlauf und die Erfahrungsebenen eines LSD-Trips gab, Pionierarbeit geleistet.

John C. Lilly war der erste, der das bizarre psychedelische Ketamin untersuchte, und seine Ergebnisse (veröffentlicht in den beiden letzten Kapiteln seines Buches „The Scientist„) sind immer noch die besten Daten über die Dosis-Wirkungs-Beziehung eines Psychedelikums bei einer Person. Und all dies geschah, bevor die meisten von uns geboren wurden!

Der Samadhi-Tank (Floating-Tank), sensorische Deprivation, LSD und Ketamin

1953 begann Lilly eine Stelle als Neurophysiologe beim U.S. Public Health Service Commissioned Officers Corps. Im N.I.M.H. im Jahr 1954, mit dem Ziel, ein Gehirn von äußerer Stimulation zu isolieren, entwickelte er den ersten Isolationstank, einen dunklen schalldichten Tank mit warmem Salzwasser, in dem Probanden lange Zeit in sensorischer Isolation schweben konnten. Lilly und ein Forschungskollege waren die ersten Subjekte dieser Forschung. Was als perzeptuelle Isolation oder sensorische Deprivation bekannt war, wurde als Restricted Environmental Stimulation Technique (R.E.S.T.) neu konzipiert.

Sensorische Deprivation war das Zauberwort. Und um die zu erreichen, ersann er einen Tank, der mit Wasser gefüllt war, welches mit 34,5 °C genau auf die eigene, äußere Körpertemperatur abgestimmt ist. Außerdem befgindet sich im Wasser Salz, sodass der Proband, oben auf der Wasseroberfläche schwimmt und das ohne selbst etwas dafür tun zu müssen.


I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked, dragging themselves through the negro streets at dawn looking for an angry fix

Allan Ginsberg, Howl


Literatur von John C. Lilly

  • Programming and Metaprogramming in the Human Biocomputer (1987)

  • Simulations of God (1975)

u.v.a.


 

Publikationen – rund um Lilly – aus dieser Zeit von Burroughs, Ginsberg u.a.

Die Sammlung Beat, die Burroughs, Ginsberg, Kerouac und Henry Miller, Norman Mailer und Mary McCarthy versammelte, erschien Ende 1962 bei Rowohlt.  Im selben Jahr Kaddisch von A. Ginsberg und Naked Lunch von W. S. Burroughs bei Limes in Wiesbaden.

Nacked Lunch wurde von David Cronenberg 1991 verfilmt. In dem Buch verarbeitet Burroughs den Tod seiner ersten Frau, der er im Drogenrausch in den Kopf geschossen hat („die Wilhelm-Tell-Nummer“). Er hat sich danach in Marokko versteckt, wurde aber nach seiner Rückkehr in die USA vom Tötungsvorsatz freigesprochen.

Der homosexuelle Allan Ginsberg zum Beispiel, hatte erhebliche Schwierigkeiten seine Publikationen, die als vulgär, sexistisch und sinnfrei galten – wie Howl – zu veröffentlichen. Ein Gerichtsurteil konnte schließlich das – inzwischen heute weltbekannte – Werk „wieder freigeben“.

Timothy Leary veröffentlicht 1981 das Buch „Exo-Psychologie„. Ein Werk, welches bis heute umsritten ist, welches aber aktuelle Entwicklungen – wie die Expansion der Mernschen in den Weltraum, Lebensverlängerung und Künstliche Intelligenz (SMI²LE = Space Migration,Intelligenz-Erweiterung, Lebens-Verlängerung)- vorweggenommen hat.

Aldous Huxley publizierte 1954 „Doors of Perception“ – „Die Pforten der Wahrnehmung“, ein autobiografisches Werk, welches auf seinen psychedelischen Erfahrungen unter Meskalin beruht und sehr bekannt ist.

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