MDMA-Psychotherapie

MDMA und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)

MDMA-Psychotherapie: In den 70er Jahren haben viele Psychiater, Psychologen und Therapeuten MDMA zu therapeutischen Zwecken genutzt. Trotz eindeutiger Hinweise auf die Wirksamkeit von MDMA, wurde die Verwendung durch die Behörden in den USA und in Europa verboten.

Erst kürzlich konnte die kontrollierte, klinische Vergabe dieser Substanz wieder aufgenommen werden (nicht in Deutschland).

Was sind die Hoffnungen und Vorteile einer MDMA-unterstützten Psychotherapie? Was sagen Experten dazu, die in umfangreichen Studien – die seit rund 50 Jahren durchgeführt wurden – die Wirksamkeit und Funktionsweise von 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA) untersucht und kritisch analysiert haben?

Hier ein wirklich kleiner Überblick zu einem großen Thema. Namen, Fakten, Studien und Hoffnungen der Psychotherapie mit MDMA.

Potenzial und Ziel der MDMA-Psychotherapie

MDMA wirkt allgemein entspannend und macht kommunikativ. Der Kontakt zu anderen Menschen ist oft emotionaler und bedeutungsschwerer als im „alltäglichen Bewusstsein“. Gefühle für andere Menschen, werden verstärkt. Außerdem fällt oft leichter, diese Gefühle auch auszudrücken – sei es verbal oder physisch – durch Worte, Gesten oder Berührungen.

MDMA weicht jene zwischenmenschlichen Grenzen auf, welche wir uns im Laufe des Lebens antrainiert haben und die uns von “dem Anderen“ trennen.

So legen Fallbeispiele aus der früheren therapeutischen Arbeit nahe, dass MDMA über das Potenzial verfügt, bei der Behandlung von PTBS (Post-Traumatischer-Belastungs-Störung) durch die Beseitigung oder Verringerung dieser Behandlungsbarrieren besonders Wirksam zu sein.

Die berichteten Ergebnisse umfassen verringerte Angst und Furcht, größere Offenheit, Vertrauen und zwischenmenschliche Nähe, eine verbesserte therapeutische Allianz, ein deutlicheres Erinnerungsvermögen, mit der Fähigkeit diese Erinnerungen in ruhiger Objektivität in den eigenen Lebenszusammenhang zu integrieren.

Funktionsweise des MDMA innerhalb der Psycholyse

In der Therapie soll das verabreichte MDMA vor allem „Vermeidungstendenzen“ der Klienten bewusstmachen und so umgehen. Menschen mit PTBS sind sehr wachsam gegenüber möglichen Vertrauensbruch oder Gefahr und können Schwierigkeiten haben, ausreichendes Vertrauen zu einem Therapeuten aufzubauen.

Dies ist besonders der Fall bei Patienten, die von Vertrauens- oder Autoritätspersonen missbraucht wurden oder anderen, die Helferrollen inne hatten.

Diese Klienten können sehr starke Angstzustände entwickeln, sodass eine Auseinandersetzung mit dem Trauma in einer Therapie unmöglich erscheint. Da es eine Fülle potenzieller Trigger (Auslöser) gibt, die nicht immer klar umrissen sind, kommt es in herkömmlichen Verfahren oft zu Stagnationen. Nicht selten wird die Therapie unter dem Druck abgebrochen.


Interview mit Franz Vollenweider zur MDMA-Psychotherapie

MDMA bei der Behandlung von Kriegsveteranen

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Die erste klinische Studie des Vereinigten Königreichs zur Wirksamkeit von MDMA bei PTBS nach einem Kampfeinsatz, wurde von Ben Sessa (Bild rechts) an der Cardiff University Medical School durchgeführt.

Dr. Ben Sessa ist Autor des recht populären Buches „The Psychedelic Renaissance“ (Muswell Hill Press, 2012) und Mitbegründer und Vorsitzender der multidisziplinären Konferenz Breaking Convention, die sich der internationalen psychedelischen Forschung widmet.

Vor kurzem führte Dr. Sessa in Bristol die weltweit erste klinische Studie die MDMA-unterstützte Gesprächstherapie zur Behandlung von Alkoholsucht. Er spricht sich gegen das Verbot von „Drogen“ aus und weist darauf hin, dass „eine fortschrittlichere Politik der Regulierung“ die Zahl der Überdosen begrenzen, den Zugang zu Diensten fördern und mehr Möglichkeiten für die psychedelische Forschung eröffnen würde.

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Peter Oehen aus Biberist experimentiert ebenfalls mit halluzinogenen Wirkstoff von Ecstasy – MDMA. Peter Oehen will mit MDMA Patienten helfen, Traumata von Vergewaltigungen oder Unfällen aufzuarbeiten.

Experimente mit diesem Wirkstoff werden auch im Ausland durchgeführt – besonders in Israel und den USA, wo man damit traumatisierten Kriegsveteranen helfen will.

MDMAPsychotherapie: Ein Potenzial der Substanz-unterstützten Psychotherapien bei Traumaerkrankungen formuliert der Solothurner Psychiater und Psychotherapeut Peter Oehen so:

Eine herkömmliche Psychotherapie auch unter Verordnung von Antidepressiva ist nur in 50 Prozent der Fälle wirksam. Viele Betroffene bleiben mit Symptomen zurück, die nicht zugänglich sind.

Peter Oehen hofft auf die Ergebnisse einer in den USA laufenden Pilotstudie.

MDMA als Katalysator: Die Praxis der MDMA-Psychotherapie

Seit 2004 führt – unter anderem – Michael Mithoefer (Bild) wieder behördlich zugelassene Studien über die Wirksamkeit von MDMA bei der Behandlung von Menschen mit chronischer posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS/PTSD) durch.

Mit finanzieller Unterstützung der Organisation Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS), die nach dem US-Verbot von Ecstasy 1986 gegründet wurde, untersucht der Psychiater Michael Mithoefer bei Opfern eines Gewaltverbrechens, wie deren Panikattacken, Schlaflosigkeit und Albträumen mit Ecstasy begegnet werden kann.

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Michael Mithoefer

Die Arbeitsweise von Michael Mithoefer in der Psychotherapie:

Zweimal – im Abstand von mehreren Wochen – wird den Teilnehmern 125 mg Ecstasy verabreicht. In drogenfreien Gesprächssitzungen werden die Erfahrungen verarbeitet.

Dr. Mithoefer vermutet, dass Ecstasy als Katalysator für die Psychotherapie wirkt, indem es den Grad an Angst und Verdrängung verringert und Vertrauen und Empathie steigert. So können sich die Patienten mit dem traumatischen Ereignis konfrontieren, ohne davon überwältigt zu werden.

Demnächst möchte Mithoefer seine Studie mit Kriegsveteranen weiterführen. Nach ihren Einsätzen in Afghanistan und im Irak zeigen gemäss Schätzungen 30 Prozent der Veteranen schwere psychische Störungen.

Auch Israel und die Schweiz forschen mit MDMA bei PTBS

Die gleiche Absicht hat ein vom Gesundheitsministerium und der Militärpsychiatrie initiiertes Projekt mit Ecstasy in Israel, wo die Zahl der kriegs- und terrortraumatisierten Patienten ebenfalls wächst. Die nationale israelische Ethikkommission hat letzten Sommer grünes Licht für den Einsatz von MDMA zur Behandlung traumatisierter Soldaten und Angehöriger gegeben.

Die Schweiz war übrigens schon vor einigen Jahrzehnten Vorreiterin: Nachdem Forschung mit Halluzinogenen. Nach einigen eher unseriösen Experimenten in den 70ern war MDMA für längere Zeit ein rotes Tuch, allerdings erhielten von 1988 bis 1993 sechs Schweizer Psychiater vom BAG die Erlaubnis, mit MDMA, LSD und weiteren Drogen zu experimentieren.


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MDMA-Psychotherapie

MDMA, LSD und Psilocybin -Therapie mit Substanzen

Podcast zum Thema Ketamin in der Psychotherapie

Im Nachtleben feiert Ketamin im Berliner Raum seit einigen Jahren ein großes Revival. Es kann aber auch bei Depressionen eingesetzt werden, zum Beispiel als Nasenspray bei akuter Suizidalität. Auch als Ergänzung zur therapeutischen Behandlung ist Ketamin sinnvoll. Wie Ketamin als Medikament in der Psychotherapie eingesetzt werden kann und was der Unterschied zum Konsum in der Freizeit ist, erfahrt ihr in dieser Folge mit dem Experten Sergio Pérez Rosal.

Therapie mit psychedelischen Substanzen

Therapie mit psychedelischen Substanzen
Therapie mit psychedelischen Substanzen

Henrik Jungaberle / Peter Gasser / Jan Weinhold / Rolf Verres:

Das vorliegende Buch ist Produkt eines interdisziplinären Dialogs zwischen Medizinern, Sozialwissenschaftlern und Psychotherapeuten.

Die Psychotherapie mit Halluzinogenen wie LSD und Entaktogenen wie MDMA (Ecstasy) findet nach einer Unterbrechung von drei Jahrzehnten wieder großes Interesse. In einem Zeitfenster von sechs Jahren war es in der Schweiz möglich, mit LSD und MDMA Psychotherapien durchzuführen und dabei wichtige Erfahrungen zu sammeln. Diese werden erstmals systematisch dargestellt und durch Beiträge namhafter Forscher und Therapeuten ergänzt. Das Buch informiert über Geschichte und State-of-the-Art Substanz-unterstützter Psychotherapie. Psycholytische und psychedelische Behandlungsansätze werden erläutert. Potenziale, Risiken und Nebenwirkungen werden bewertet. Die Autoren diskutieren die Relevanz dieser Therapieform für Medizin und Gesellschaft. Das Buch ist Produkt eines Dialogs zwischen Medizinern, Sozialwissenschaftlern und Psychotherapeuten.

422 Seiten

978-3456846064 (ISBN)


LSD-Psychotherapie

LSD-Psychotherapie
LSD-Psychotherapie

Stanislav Grof

Der Autor Stanislav Grof gibt einen Überblick über
die Geschichte der LSD-Therapie und ihre theoretischen Grundlagen. Er konzentriert sich dabei auf die praktischen Aspekte der von ihm entwickelten
therapeutischen Vorgehensweisen: die Vorbereitung des Patienten, die Methodik der Durchführung von Sitzungen, Indikationen und Gegenindikationen, die t
herapeutischen Resultate und das Problem von Nebenwirkungen und Komplikationen.

ISBN: 978-3-608-94017-6

Psychedelische Therapie/Psycholyse PDF Zum Thema MDMA in der Psychotherapie

Dieser Artikel untersucht die Kontexte und Praktiken seiner psychotherapeutischen Anwendung in den Jahren zwischen 1977 und 1985. Einige der damals entwickelten Richtlinien, Empfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen ähneln denen, die für Psychedelika gelten, andere sind jedoch spezifisch für MDMA. Aus dieser Übersicht geht hervor, dass die Therapeuten, die Pionierarbeit bei der Verwendung von MDMA leisteten, in der Lage waren, Techniken (und Indikationen/Kontraindikationen) für die Einzel- und Gruppentherapie zu entwickeln, die den Grundstein für die Verwendung von MDMA in späteren wissenschaftlichen Studien legten. Rückblickend scheint es, dass die wahrgenommenen positiven Wirkungen von MDMA eine Wiederbelebung der psycholytischen/psychedelischen Therapie auf internationaler Ebene unterstützten.

The early use of MDMA (‘Ecstasy’) in psychotherapy 1977-1985 – Torsten Passie

PDF-Download in deutscher Sprache:

Zum Gebrauch von MDMA in der Psychotherapie 1977-1985 – Torsten Passie

Zur Forschung um MDMA und LSD in den frühen 60er Jahren

Ebenso, wie Forscher und Heiler von den Möglichkeiten des therapeutischen Einsatzes von Hypnose fasziniert waren, so waren sie es von der assoziations- und emotionsanregenden Wirkung von LSD-25. So wurden bis zum Ende der 60er Jahre, wo die Forschung jäh durch staatliches Eingreifen abbrach, laut Angaben von Grinspoon und Bakalar mehr als tausend Fachartikel über die Behandlung von 40 000 Patienten sowie einige Dutzend Bücher und Kongressberichte von 6 Internationalen Konferenzen
veröffentlicht. Dieses Studien waren von großem Nutzen für die Wissenschaft.

Drug-Science 2017 PDF-Download

Forschungsbedarf, Redebedarf, Konferenzbedarf – das Programm der Drug Science 2017 in Berlin. Es ging um die Gefahren, die vom Konsum psychoaktiver Substanzen ausgehen, aber auch um ihren therapeutischen Nutzen. Neue Ansätze in der Prävention, der Behandlung und der Schadensminimierung.


PDF-Download zur Psychedelischen Psychotherapie

MDMA, LSD und 2C-B Einzel- und Gruppenpsychotherapie in Zürich: Ergebnisse, Implikationen und Kommentar: „Underground“-Therapie mit MDMA, LSD und 2CB: Überblick (deutsch)

Links zum Thema MDMA-Psychotherapie

In letzter Zeit hat es eine Erneuerung der Humanforschung mit klassischen Halluzinogenen (Psychedelika) gegeben. Dieses Papier diskutiert zuerst kurz die einzigartige Geschichte der menschlichen Halluzinogenforschung und geht dann auf die Risiken der Halluzinogenverabreichung und Schutzmaßnahmen zur Minimierung dieser Risiken ein. Obwohl Halluzinogene physiologisch relativ sicher sind und nicht als Suchtmittel gelten, birgt ihre Verabreichung einzigartige psychologische Risiken.

Johnson M, Richards W, Griffiths R. Human hallucinogen research: guidelines for safety. Journal of Psychopharmacology.


Trope A, Anderson BT, Hooker AR, Glick G, Stauffer C, Woolley JD. Psychedelic-Assisted Group Therapy: A Systematic Review. J Psychoactive Drugs.


Watts R, Day C, Krzanowski J, Nutt D, Carhart-Harris R. Patients’ Accounts of Increased “Connectedness” and “Acceptance” After Psilocybin for Treatment-Resistant Depression. Journal of Humanistic Psychology.


Evaluation of 3,4-Methylenedioxyamphetamine (MDA) as an Adjunct to Psychotherapy: Naranjo C. · Shulgin A.T. · Sargent T.


Die MIND Foundation ist eine europäische gemeinnützige Wissenschafts- und Bildungsorganisation, die die psychedelische Forschung und Therapie fördert. Unsere Arbeit baut auf dem neurobiologischen und psychologischen Potenzial von Psychedelika auf, um die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden in einem klinischen Umfeld zu verbessern; für die die wissenschaftliche Basis stetig wächst.


Was ist psycholytische Therapie? – Die Entwicklung der psycholytischen Psychotherapie. Von Prof. Dr. Torsten Passie

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