MDMA-Psychotherapie

MDMA und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)

In den 70er Jahren haben viele Psychiater, Psychologen und Therapeuten MDMA zu therapeutischen Zwecken genutzt. Trotz eindeutiger Hinweise auf die Wirksamkeit von MDMA wurde die Verwendung durch die Behörden in den USA und in Europa verboten. Erst kürzlich konnte die kontrollierte klinische Vergabe dieser Substanz wieder aufgenommen werden. (nicht in Deutschland)

LSD und Psilocybin – Wiedergeburt uralter Heilpflanzen und Rituale

Seit 2004 führt – unter anderem – Michael Mithoefer (Bild) wieder behördlich zugelassene Studien über die Wirksamkeit von MDMA bei der Behandlung von Menschen mit chronischer posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS/PTSD) durch.

Funktionsweise des MDMA innerhalb der Psycholyse

In der Therapie soll das verabreichte MDMA vor allem „Vermeidungstendenzen“ der Klienten bewusstmachen und so umgehen. Menschen mit PTBS sind sehr wachsam gegenüber möglichen Vertrauensbruch oder Gefahr und können Schwierigkeiten haben, ausreichendes Vertrauen zu einem Therapeuten aufzubauen. Dies ist besonders der Fall bei Patienten, die von Vertrauens- oder Autoritätspersonen missbraucht wurden oder anderen, die Helferrollen inne hatten.

Diese Klienten können starke Angstzustände entwickeln, sodass eine Auseinandersetzung mit dem Trauma in einer Therapie unmöglich erscheint. Da es eine Fülle potenzieller Trigger (Auslöser) gibt, die nicht immer klar umrissen sind, kommt es in herkömmlichen Verfahren oft zu Stagnationen. Nicht selten wird die Therapie unter dem Druck abgebrochen.


Potenzial und Ziel der MDMA-Psychotherapie

Fallbeispiele aus der früheren therapeutischen Arbeit, lassen vermuten, dass MDMA über das Potenzial verfügt, bei der Behandlung von PTBS durch die Beseitigung oder Verringerung dieser Behandlungsbarrieren besonders Wirksam zu sein.

Die berichteten Ergebnisse umfassen verringerte Angst und Furcht, größere Offenheit, Vertrauen und zwischenmenschliche Nähe, eine verbesserte therapeutische Allianz, ein deutlicheres Erinnerungsvermögen mit der Fähigkeit diese Erinnerungen in ruhiger Objektivität in den eigenen Lebenszusammenhang zu integrieren.

MDMA bei der Behandlung von Kriegsveteranen

Peter Oehen aus Biberist (Bild rechts) experimentiert mit MDMA, dem halluzinogenen Wirkstoff von Ecstasy. Oehen will mit MDMA Patienten helfen, Traumata von Vergewaltigungen oder Unfällen aufzuarbeiten. Experimente mit diesem Wirkstoff werden auch im Ausland durchgeführt – besonders in Israel und den USA, wo man damit traumatisierten Kriegsveteranen helfen will.

Ein Potenzial der Substanz-unterstützten Psychotherapien bei Traumaerkrankungen sieht der Solothurner Psychiater und Psychotherapeut: „Eine herkömmliche Psychotherapie auch unter Verordnung von Antidepressiva ist nur in 50 Prozent der Fälle wirksam. Viele Betroffene bleiben mit Symptomen zurück, die nicht zugänglich sind.“ Oehen hofft auf die Ergebnisse einer in den USA laufenden Pilotstudie. Mit finanzieller Unterstützung der Organisation Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS), die nach dem US-Verbot von Ecstasy 1986 gegründet wurde, untersucht der Psychiater Michael Mithoefer bei Opfern eines Gewaltverbrechens, wie deren Panikattacken, Schlaflosigkeit und Albträumen mit Ecstasy begegnet werden kann.

MDMA als Katalysator in der Psychotherapie (Substanz-unterstützte Psychotherapie/Psycholyse)

Zweimal im Abstand von mehreren Wochen wird ihnen 125 mg Ecstasy verabreicht. In drogenfreien Gesprächssitzungen werden die Erfahrungen verarbeitet. Mithoefer vermutet, dass Ecstasy als Katalysator für die Psychotherapie wirkt, indem es den Grad an Angst und Verdrängung verringert und Vertrauen und Empathie steigert. So können sich die Patienten mit dem traumatischen Ereignis konfrontieren, ohne davon überwältigt zu werden.

Demnächst möchte er seine Studie mit Kriegsveteranen weiterführen. Nach ihren Einsätzen in Afghanistan und im Irak zeigen gemäss Schätzungen 30 Prozent der Veteranen schwere psychische Störungen. Die gleiche Absicht hat ein vom Gesundheitsministerium und der Militärpsychiatrie initiiertes Projekt mit Ecstasy in Israel, wo die Zahl der kriegs- und terrortraumatisierten Patienten ebenfalls wächst. Die nationale israelische Ethikkommission hat diesen Sommer grünes Licht gegeben.

Die Schweiz war übrigens schon vor einigen Jahrzehnten Vorreiterin: Nachdem Forschung mit Halluzinogenen nach einigen eher unseriösen Experimenten in den 70ern für längere Zeit ein rotes Tuch war, erhielten von 1988 bis 1993 sechs Schweizer Psychiater vom BAG die Erlaubnis, mit MDMA, LSD und weiteren Drogen zu experimentieren.

Therapie mit psychedelischen Substanzen

Therapie mit psychedelischen Substanzen
Therapie mit psychedelischen Substanzen

Henrik Jungaberle / Peter Gasser / Jan Weinhold / Rolf Verres:

Das vorliegende Buch ist Produkt eines interdisziplinären Dialogs zwischen Medizinern, Sozialwissenschaftlern und Psychotherapeuten.

Die Psychotherapie mit Halluzinogenen wie LSD und Entaktogenen wie MDMA (Ecstasy) findet nach einer Unterbrechung von drei Jahrzehnten wieder großes Interesse. In einem Zeitfenster von sechs Jahren war es in der Schweiz möglich, mit LSD und MDMA Psychotherapien durchzuführen und dabei wichtige Erfahrungen zu sammeln. Diese werden erstmals systematisch dargestellt und durch Beiträge namhafter Forscher und Therapeuten ergänzt. Das Buch informiert über Geschichte und State-of-the-Art Substanz-unterstützter Psychotherapie. Psycholytische und psychedelische Behandlungsansätze werden erläutert. Potenziale, Risiken und Nebenwirkungen werden bewertet. Die Autoren diskutieren die Relevanz dieser Therapieform für Medizin und Gesellschaft. Das Buch ist Produkt eines Dialogs zwischen Medizinern, Sozialwissenschaftlern und Psychotherapeuten.

422 Seiten

978-3456846064 (ISBN)

LSD-Psychotherapie

LSD-Psychotherapie
LSD-Psychotherapie

Stanislav Grof

Der Autor Stanislav Grof gibt einen Überblick über
die Geschichte der LSD-Therapie und ihre theoretischen Grundlagen. Er konzentriert sich dabei auf die praktischen Aspekte der von ihm entwickelten
therapeutischen Vorgehensweisen: die Vorbereitung des Patienten, die Methodik der Durchführung von Sitzungen, Indikationen und Gegenindikationen, die t
herapeutischen Resultate und das Problem von Nebenwirkungen und Komplikationen.

ISBN: 978-3-608-94017-6

Yoga, Tee, LSD

Andrea Jungaberle

Zauberpilze gegen Depressionen, Ecstasy für Trauma-PatientInnen: Neben den bekannten Gefahren bergen psychedelische Substanzen auch therapeutisches Potenzial.

Andrea Jungaberle forscht seit Jahren intensiv im Bereich der Bewusstseinserweiterung. In diesem Buch lädt sie dazu ein, das heiß diskutierte Thema von einem aufgeklärten Standpunkt aus zu betrachten. Denn wer sich auf psychedelische Erfahrungen einlässt, erlebt seine Innenwelt als wandelbarer und wird aufgeschlossener für die Gedanken- und Lebenswelt anderer. Man muss keine Substanzen einnehmen, um hilfreiche veränderte Bewusstseinszustände zu erleben, und im Grunde manipulieren wir alle ständig unseren mentalen Zustand. Dieses Buch ist eine Horizonterweiterung für alle, die das Tor zum Garten ihres Bewusstseins aufstoßen möchten!

Erscheinungsdatum: 13.04.2022

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