Ketamin

Ketamin: auch ein Anästhetikum und Antidepressivum

Ketamin, ein Cyclohexanon, wird als Arzneistoff in der Human- und Tiermedizin zur Narkose eingesetzt und kommt in der Regel als weißes kristallines Pulver vor. Die Ausgangssubstanz ist aber eine Flüssigkeit, welche getrocknet wird und dann kristallisiert.
Ketamin ist verwandt mit Phencyclidin (PCP, auch “Angle Dust” genannt) und dem Opioid Pethidin.

Ketamin findet in der Anästhesie zu Narkosezwecken, bei der Schmerzbehandlung (Analgesie) in der Notfallmedizin und zur Behandlung einer therapieresistenten Form von Asthma Anwendung.
Charakteristisch für die Wirkung des Ketamin ist die Erzeugung einer sogenannten „dissoziativen Anästhesie“. Darunter wird die Erzeugung von Schlaf und Schmerzfreiheit unter weitgehender Erhaltung Schutzreflexe verstanden.

Allgemeines zu Ketamin

Ketamin wirkt am NMDA-Rezeptor und ist für ungeübte keine Partydroge! Auf Grund seiner dissoziativen, bewusstseinsverändernden Wirkung, ist Ketamin in vielen europäischen Ländern allerdings als Partydroge bekannt. Die Szenenamen sind: K, Kate, Barbara, Ket, Kitty, Kiti, Special K, Vitamin K, Ketamin C, Fiction, Keta. Es werden zwei Formen von Ketamin gehandelt: Ketamin und S-Ketamin. S-Ketamin ist chemisch aufbereitetes Ketamin, bei dem die sedierende (beruhigende) und analgetische Komponente verstärkt wurde.

Geschichte von Ketamin

ketamin
ketamin

Ketamin wurde zuerst von Craig Newlands an der Wayne State University entwickelt und in der Folge im Jahr 1962 von Calvin Stevens synthetisiert. Nach vielversprechenden präklinischen Forschungen bei Tieren, wurde Ketamin dem Test bei menschlichen Gefangenen in den USA im Jahr 1964 unterzogen.

Diese Untersuchungen zeigten die kurze Wirkdauer des Ketamin und die reduzierte Toxizität und machte es so zu einer günstigeren Wahl gegenüber dem PCP als dissoziativen Anästhetikum. Nach der FDA-Zulassung im Jahr 1970, wurde Ketamin zum ersten Mal amerikanischen Soldaten während des Vietnamkrieges gegeben.

Dosierung von Ketamin

15 – 25 mg (0,3 mg / kg Körpergewicht) Ketamin reichen aus, um eine dem angetrunkenen, »beschwipsten« Zustand ähnliche Wirkung zu erzielen.
Übliche Dosis: 1,5 – 4 mg/kg Körpergewicht (90 – 160 mg)
Oral: 200 – 400 mg (wobei 450mg eine sehr starke Dosis darstellt, mit der Gefahr eines K-Hole)
Nasal: 50 – 150 mg
i.m.: 30 – 120 mg
i.v.: 1-2 mg/kg

Unmittelbar nach einer i.v. Injektion setzt eine generelle Analgesie (Schmerzfreiheit) ein, die von einer ca. 10 Minuten anhaltenden Bewusstlosigkeit begleitet sein kann.
Beachte: 1 g = 1000 mg!

Wirkung von Ketamin:

Ketamin löst, in niedrigen Dosen, einen leicht “beschwipsten” Zustand aus. Man fühlt sich wie auf Wolken gehend und etwas desorientiert. So, wie nach dem Konsum von 3-4 Bier. Die Atemfunktion bleibt normal, Blutdruck und Pulsfrequenz steigen zu Beginn um ca. 30% über die Norm an. Ketamin wirkt vor allem im Gedächtniszentrum Hippocampus und im präfrontalen Cortex, der für abwägendes und abstraktes Denken verantwortlich ist – was auch die Qualität des Erlebens erklärt. Ketamin löst – in höheren Dosen – einen traumartigen Zustand aus. Dieser Zustand kann begleitet sein von Bildern und Eindrücken wie wir sie normalerweise im Schlaf wahrnehmen. Hier sollte das Settng stimmen, da man Ruhe braucht und die Fähigkeit zur Kommunikation stark eingeschränkt ist. Aufkommende Halluzinationen ermöglichen eine tiefe Erforschung der inneren Räume.

Da Ketamin zu Narkosezwecken verwendet wird, sollte auf den Konsum von Alkohol, Diazepam oder GHB im Zusammenhang mit Ketamin verzichtet werden.

Ketamin hat kurzfristig vor allem psychotrope Nebenwirkungen (Pseudohalluzinationen), daneben wirkt Ketamin als einziges Narkotikum auch blutdruck- und pulssteigernd. Diese Nebenwirkung ist bei manchen Patienten erwünscht. Im Rahmen der Notfallmedizin ist es das einzige Medikament, dessen Einsatz kreislaufstabilisierende und narkotische Effekte kombiniert werden können. Die Wirkdauer von Ketamin beträgt etwa 45 – 60 Minuten.

Nebenwirkungen bei Ketaminkonsum:

Schneller als Amphetamin, führt Ketamin am Tag danach (in Dosierungen ab ca. 100 mg nasal) zu Nasenbluten. Seine Nebenwirkungen wie das “Ketamin-Loch“, insbesondere das relativ häufige Auftreten von so genannten Horrortrips (albtraumartige Szenen mit Nahtod-Erlebnissen und Tunnelvisionen), schränken bei vielen Benutzern die Beliebtheit von Ketamin ein, bei einigen ist die Beliebtheit gerade darin begründet. Während des Trips beschreiben viele eine “Auflösung der eigenen Existenz”. Die aufkommenden Bilder ändern sich in rascher Folge und sind kaum bis überhaupt nicht steuerbar. Trotzdem könnte Ketamin als schamanistisches Werkzeug noch erforscht werden.

Bei Erwachsenen sind Hypertonie (Bluthochdruck) und Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) Kontradiktionen für die Anwendung von Ketamin. Schon nach einmaliger Injektion werden die psychomotorischen Funktionen über mehrere Stunden beeinträchtigt. Diazepam vermindert zumindest die illusionären Wahrnehmungen von Ketamin und kann appliziert werden, falls es zu überhöhter emotionaler Erregung kommen sollte. Bei Komplikationen aber immer einen Arzt zu rate ziehen!

Ketamin und Depressionen: Der “größte Durchbruch in der Forschung zur Depression seit 50 Jahren”

Ende 2014 berichtet die “New York Times”, dass Ketamin erfolgreich an Patienten getestet wurde, die unter starken Depressionen leiden. Die Behandlung von Depressionen mit Ketamin ist gegenwärtig ein experimentelles Verfahren, welches nur in Ausnahmefällen und in
ausgewählten Behandlungszentren durchgeführt wird. Auch wenn andere Medikamente – wie Prozac und andere Serotonin-Wiederaufnahmehemmer – nicht mehr helfen, kann mit dem Einsatz von Ketamin, das auch Special K genannt wird, geholfen werden. Eine Behandlung mit Ketamin kann bei manchen Patienten schon innerhalb der ersten Stunden zu einer Verbesserung der depressiven Beschwerden führen. Bislang veröffentlichte Studien, die die Verläufe von mehr als 150 Patienten zusammenfassen, zeigen nach einer einzelnen Behandlung Ansprechraten zwischen 25 und 71 Prozent nach einem Tag und bis 50 Prozent nach drei Tagen.

Ketamin wird bereits seit mehreren Jahrzehnten als Anästhetikum oder schmerzstillendes Mittel verwendet. Die Anwendung im Bereich depressiver Erkrankungen ist dagegen neu. Anders als die klassischen Medikamente gegen Depressionen, die vor allem den Serotonin-Haushalt stimulieren, wirkt Ketamin an den NMDA-Rezeptoren. An diesen Rezeptoren wirken Substanzen wie PCP (Angel Dust) oder das Methoxetamin.

Strukrurelle Ähnlichkeit zwischen Ketamin und Methoxetamin

Hier die Moleküle von Ketamin und von Methoxetamin. Diese abstrakten Abbildungen zeigen deutlich, warum diese beiden Substanzen sehr ähnlich Klassifiziert werden. Die Wirkung unterscheidet sich zwar etwas voneinander, aber trotzdem triggern Ketamin und Methoxetamin auf neuronaler Ebene die selben Neurotransmitter. Ketamin und Methoxetamin sind keine Partydrogen. Sie tragen den User in die tiefen des Unbewussten. Die Kontrolle ist konkret kaum zu bewerkstelligen. Totzdem sind beide Substanzen bei einigen sehr beliebt. Abschließend ist zu sagen, dass wir mit der Erforschung dieser Substanzen noch lange nicht am Ende sind.

metoxetamine und Ketamin
Metoxetamine und Ketamin

Links zum Thema Ketamin und Depressionen

Informationen auch unter: Neue Hoffnung für Depressive in der “Welt” vom 10.03.2014.

Ketamin hilft bei Depressionen: Deutsches Ärzteblatt vom 25.04.2018

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