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Die 2. US-amerikanische Opioid-Epidemie

Die Palette der Opiate ist groß: Neben den natürlichen, aus dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns gewonnenen Pflanzenwirkstoff gibt es heute noch eine ganze Reihe halbsynthetischer und synthetischer Opioide. Opioide sind insgesamt betrachtet die effektivsten und daher auch wichtigsten Schmerzmittel, die der Medizin zur Verfügung stehen. Die Schmerz- und Palliativmedizin ist die medizinische Disziplin, die neben der Suchtmedizin ein besonderes Interesse an evidenzbasierten Kenntnissen und Forschung zu Indikationen und Risiken von Opioiden hat.

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In den USA werden 50-mal mehr Opioide verordnet als im Rest der Welt. Es ist daher durchaus naheliegend, die sozialen und ökonomischen Strukturen des Landes zusammen mit kultur- und sozialhistorischen Aspekten für das Phänomen der Opioidaffinität als mitentscheidend anzusehen. Aufgrund des extremen Ausmaßes der Drogenepidemie erklärte der damalige US-Präsident Trump m Oktober 2017 den nationalen Gesundheitsnotstand.

Am Anfang der zweiten US-amerikanischen Opioid-Krise steht das verschreibungspflichtige Schmerzmittel Oxycontin, das die Familie Sackler mit ihrem Unternehmen Purdue Pharma 1996 auf den Markt gebracht und als schmerzstillend und mit einem sehr geringen Suchtpotenzial verbunden aggressiv über Jahre beworben hat. Es handelt sich dabei um ein besonders starkes Opioid der WHO-Klasse III, das nur in Fällen starker chronischer Schmerzen – wie z.B. bei Krebserkrankungen – verordnet werden soll.

Der Hauptbestandteil des Schmerzmittels Oxycodon ist seit 1929 in Deutschland nur auf Betäubungsmittelrezept zu haben. Purdue und andere Pharmaunternehmen erreichten durch intensive Lobbyarbeit und aggressives Marketing, dass Opioide, die zuvor vorwiegend bei Schwerkranken und Sterbenden angewendet worden waren, in den USA nun auch bei alltäglichen Schmerzen verschrieben wurden. Das aggressive und korrumpierende Marketing fand besonders bei Ärzten statt, die bereits viele Schmerzmittel in der Vorgeschichte verschrieben hatten.

Die Verordnungen hatten immer häufiger den Status von relativ harmlosen Befindlichkeitsstörungen mit Schmerzsymptomen. So dürften auch viele Patienten mit somatoformen, d.h. psychisch bedingten, Schmerzen das Medikament erhalten haben. Der starke Anstieg der Zahl der opioidbedingten Drogentoten in den USA war einer der Gründe dafür, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in den Jahren 2015 bis 2018 erstmals seit dem Ersten Weltkrieg sank. 

Quelle: Die 2. Amerikanische Prohibitionswelle

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