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Keine Verfügbarkeit von Substitol – was nun?

Warum kann ein hochwirksames Medikament einfach vom Markt genommen werden?

Seit etwa Juni 2021 gibt es in ganz Deutschland keinen Zugriff mehr auf Morphinsulfat (Substitol). Seit 2015 hat das Substitut aus Österreich eine regelrechte Erfolgsstory geschrieben. Substitol gilt als extrem verträglich, nebenwirkungsarm, oft wird kein Beikonsum mehr benötigt und körperliche Effekte wie zum Beispiel strakes Schwitzen, Einschränkung der Libido oder Übelkeit und das als unangenehm empfundene „Anfluten“ der Substanz – wie bei Polamidon – bleiben aus. Für viele, die das Glück hatten, die sehr strengen „Aufnahmebedingungen“ für eine Substitutionsbehandlung mit Substitol (Morphinsulfat) zu erfüllen, war die Behandlung eine echte Bereicherung und eine Steigerung der Lebensqualität. Aber: um überhaupt in den Kreis derer aufgenommen zu werden, die das „Recht“ bekamen, Substitol im Zuge ihrer Substitutionsbehandlung verschrieben zu bekommen, musste man belegen können, dass der Einzelne mit den anderen Substituten – wie Metadon, Polamidon, Subutex oder anderen – nicht klar kommt- Außerdem sollte man schon eine oder mehr Therapien abgeschlossen haben und eine gewisse Zeit stark abhängig sein. Das bedeutet, der Zugang zu Substitol war in Deutschland von Beginn an schon mit Hürden verbunden. 

Wie war das mit Subutex – damals?

Ob diese Hürden dann auch zukünftig noch Sinn machen, gerade wenn das Substitut fast nur Vorteile mitbringt, dass steht auf einem anderen Blatt. Vor allem wenn man sich in Erinnerung ruft, dass es diese vorsichtige Herangehensweise bei dem aus Frankreich kommenden „Subutex“ eben nicht gab. Es galt als sicher und wurde munter verschrieben. Es gibt inzwischen sogar Praxen – zum Beispiel in Limburg/Lahn – die ausschließlich mit Subutex substituieren und das ist nicht erlaubt. Aber, wenn du das nicht möchtest, musst du dir in dieser strukturschwachen Umgebung einen anderen Arzt suchen, was rechtlich seit 2018 nicht mehr konform ist. Denn seit 2018 ist das gesetzlich Verboten, einem kranken Abhängigen lediglich ein einziges Substitutionsmedikament alternativlos zur Verfügung zu stellen und anderenfalls die Versorgung zu verweigern.

Von Substitol zu Compensan

Nun, Ärtzte behaupteten, dass es im September wieder Substitol (Morphinsulfat) in der normalen Substitutionstherapie wieder geben soll. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Und mal wieder ist es so, dass der Patient in der Substitution der letzte ist, der verbindliche Informationen bekommt – sowohl vom Arzt als auch vom Apotheker oder der Ärztekammer. Und mal ehrlich: wer weiß denn überhaupt, an wen man sich in dieser Situation wenden kann?

Nun zu „Compensan©“. Compensan© ist ebenfalls retadiertes Morphinsulfat und kann ohne weiteres vom Arzt ersatzweise bestellt werden. Compensan© wird von GL-Pharma vertrieben und von den Krankenkassen voll bezahlt – das geht aus mehreren Publikationen – sowohl der Krankenkassen als auch von GL-Pharma hervor. Bei einem Gespräch mit einer Ärztin, die im Juli noch selber ihren Patienten angeboten hat, Compensan© zu bestellen, kam heraus, das sie das inzwischen angeblich nicht mehr besorgen kann, da „die Apotheke nicht mitspielt“.(!)

Diese unfassbar lapidare Aussage galt es zu hinterfragen. Und so habe ich mich aufgemacht, bin in eine mir bekannte Apotheke gefahren um mich zu informieren. Und ein Gespräch mit dem Leiter der Apotheke ( ist immer ein Pharmazeut – also argumentiert hier ein Arzt auf Augenhöhe ) hat mir zumindest ein wenig die Augen geöffnet. Denn: diese Ärztin verweigert ihre eigene Verantwortung in dieser Sache.

Aber, es geht noch weiter:

Zunächst einmal ist diese verdrehte Logik – ein Patient muss selbst bei einer Apotheke vorsprechen um Informationen zur Verfügbarkeit eines Medikamentes zu bekommen – Teil eines perfiden Systems, welches wir als „Substitution“ kennen.

Zwischen 2007 und 2018 hat sich etwas im Selbstverständnis der Suchtmittelverordnung verändert

Wahl des Substitutionsmedikamentes: Gesetzliche Grundlagen und fachliche Kriterien:
*Novelle der Suchtgiftverordnung März 2007 §23c
* Mittel der ersten Wahl sind Methadon und Buprenorphin
* nur bei „Unverträglichkeit“dürfen andere Substitutionsmittel
verschrieben werden
*Aus fachlicher Sicht kann keine Empfehlung für ein Mittel der
ersten Wahl festgelegt werden. Die in Österreich verfügbaren
Substitutionsmittel sind grundsätzlich als gleichrangig einzustufen
(ÖGABS Konsensusstatement 2009)
*Substitutionsmittel unterscheiden sich in vielen Parametern, z.B:
Pharmakokinetik, Rezeptorkinetik, Verstoffwechselung,
Wirkdauer (Einnahmemodus!), Wirkungs- und
Nebenwirkungsprofil, Arzneimittelinteraktionen ….
*Novelle der Suchtgiftverordnung ab 1.1.2018
Kein Mittel der Ersten Wahl!

Substitutionstherapie: Was noch gesagt werden muss!

Also: die Novelle der Suchtmittelverordnung von 2018 hat festgestellt, dass es kein Mittel der ersten Wahl in der OST (Opioiduntertützten-Substitutionstherapie) geben kann, da eben Menschen keine Maschinen sind, sondern auf unterschiedliche Arzneimittel auch untrschiedlich reagieren.

Leider ist es so, dass in strukturschwachen Gegenden – wie dem Westerwald – Ärzte mehr als in Großstätten die „Macht“ haben solche illegalen, weil nicht rechtskonformen Praktiken umzusetzen.

Was ich also im Zusammenhang mit meinem Apotheker und dem Compensan so erlebt habe folgt:

Nun. nachdem ich eine Betreuerin von mir – als Zeugin – mitgenommen habe, stellete sich heraus, dass die Aussage, ich müste als Patient der AOK Mehrkosten in Kauf nehmen, wenn ich auf das  Compensan bestehen würde, falsch ist.

Und nicht nur das: einen Patienten, mehrfach in seinem Anliegen zu belügen, bedeutet, dass mann  entweder die Kontrolle über diese Situatrtuion verloren hat, oder, dass mann bewusst Entscheidungen fällt, die nicht retchtskonform sind.

Eine Vortsetzung dieses Artikels folgt in Kürze!

Was aber – nach Recherchen bei der AOK und allen substituiernenden Ärzten, die mir bekannt sind – ganz klar ist: die Aussage, das ein Patient der seit 2016 auf Substitol eingestellt ist und nun eben nicht auf Compensan© umgestellt werden kann, weil er angeblich Mehrkosten zu tragen hat, ist falsch! Und wir dürfen uns fragen, ob ein Arzt seiner Verantwortung nachkommt, wenn er solche Falschinformationen verbreitet.

Am Ende dann doch: Compensan!

Aus welchen Gründen auch immer, hat meine substituierende Ärztin, Frau Doktor Schmitz in Montabaur, mir zunächst das Compensan verweigert. Aber nach vielen Gesprächen und Interventionen, hat sie mir nun endlich den Zugang zu Compensan gewährt. Aber nur, weil ich hartnäckig geblieben bin und argumentiert habe. Jede Falschaaussage von ihr konnte ich wiederlegen und auch zeigen, dass sie entweder bewusst falsche Informationen streut, oder einfach falsch informiert ist.

Quellen und weiterführende Informationen:

https://www.jes-bundesverband.de/2021/07/retardiertes-morphin-zur-substitution-wieder-verfuegbar/

Umfrage der Deutschen Aidshilfe zum Thema:

https://jesnrw.de/umfrage-substitution/

Praktische Durchführung der
Substitutionsbehandlung

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