Augmentierte Psychotherapie

Was ist die Augmentierte Psychotherapie?

Augmentation ist derzeit einer der größten Technologietrends überhaupt und wer sich für die aktuelle Entwicklung im Bereich moderner Technologie interessiert, der kennt natürlich den Begriff Augmented Reality.

Seit einiger Zeit macht ein therapeutisches Verfahren auf sich aufmerksam, welches den Namen Augmentierte Psychotherapie trägt. Was bedeutet augmentiert und was ist das Neue an dieser therapeutischen Intervention? Bei welchen Indikationen ist eine Augmentierte Psychotherapie sinnvoll? Und vor allem, wie funktioniert die Augmentierte Psychotherapie konkret in der Praxis?

In diesem Artikel werden die Grundlagen der Augmentierten Psychotherapie, bzw. der Augmentation allgemein behandelt. In einem der in Kürze erscheinenden Artikel, werden die verschiedenen Richtungen, vor allem aber die substanz-unterstützten Angebote, der Augmentierten Psychotherapie, besprochen.

Augmentierte Psychotherapie: Definitionen und Begrifflichkeiten

Definitionen:

Augmentation (engl., „Vergrößerung“ ) bedeutet zunächst „Erweiterung“, im Sinne von erweitern vorhandener Systemeigenschaften. Zum Beispiel an Gelenken (mit Hilfe von Bändern oder stabilen Stützen), um die Belastbarkeit zu erhöhen oder zu erweitern. Aber auch eine medizinische Behandlung mit Arzneimitteln, kann, wenn denn zusätzlich unterstützende Medikamente eingenommen werden, als Augmentation bezeichnet werden.


Augmented Reality (engl., kurz auch einfach AR, manchmal auch VR – virtuelle Realität genannt), beteutet meist eine computergestützte erweiterte Realität, in dem Sinne, als das vorhandene Sinne (Hören, Sehen, Fühlen), durch kompakte, einfach zu bedienende Hilfsmittel – wie eine Brille –  erweitert werden. Augmented Reality (AR) ist somit eine erweiterte Version der realen, physischen Welt, die durch die Verwendung digitaler, optischer/visueller Elemente, oder anderer sensorischer Reize erreicht – und über Technologie bereitgestellt wird – und ist somit eine Erweiterung der Realitätswahrnehmung.


Augmentierte Psychotherapie ist eine recht neue Form der psychotherapeutischen Intervention, in der, durch die Verwendung von Lichteffekten (z.B. 3D-Brillen), akustischen Reizen (z.B. über Kopfhörer) und anderen Mitteln (dazu zählen auch Arzneimittel), versucht wird dem Klienten eine alternative, erweiterte Wahrnehmung der Sinneserfahrung zu bieten.


artificial intelligence (engl. „künstliche Intelligenz“, auch einfach AI genannt): Auch wenn die Künstliche Intelligenz (KI) immer größeren Einfluss auf das Gebiet der Augmentation hat, ist dieser Begriff klar von Augmented Reality zu trennen. Es handelt sich bei der  artificial intelligence schlichtweg um mathematische Algorithmen, welche Verhaltensweisen, gemessen am Menschen, immitieren sollen (siehe der Turing-Test).

Unser Gehirn: auch eine Augmentation

Nachdem auf dem Gebiet der Hirnforschung am Menschen, die Erfahrung gemacht wurde, dass durch äußere Stimulation, ganz konkrete Regionen im Gehirn angesprochen werden können, war der Weg, diese Erkenntnisse auch therapeutisch zu nutzen, nicht mehr weit.

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Wikipedia CC BY-SA 2.1 jp, Link

Viele kennen den so genannten „Spiegeltrick“, bei dem ein Beinamputierter sein vorhandenes Bein so spiegelt, dass er – schaut er im richtigen Winkel auf den Spiegel – zwei Beine sieht. Obwohl das eine optische Täuschung ist und der Betroffene das ja auch weiß, beginnt das Gehirn aufgrund seiner Wahrmehmung des fehlenden Beines, an den entsprechenden Regionen im Gehirn mit erhöhter neuronaler Aktivität. Als Folge stellen sich nach kurzer Zeit schon Linderungen, zum Beispiel bei Phantomschmerzen, ein.

Diese Fähigkeit unseres Gehirns, auf äußere Stimuli (auch etwa durch Medikamente) reflexiv (rückbezüglich) zu reagieren und so konkrete Gehirnregionen zu stimulieren und diese somit einer Bearbeitung zugänglich zu machen, ist – im weitesten Sinne – die konzeptionelle Grundlage der augmentierten Behandlungsmethoden.

Augmentation ist ein wachsender Trend und die Vorteile der Augmented Reality haben sich auch auf den Gesundheitssektor erstreckt, wo sie zukünftig eine viel größere Rolle spielen wird. AR-Apps ermöglichen es heute Benutzern, hochdetaillierte 3D-Bilder verschiedener Körpersysteme zu studieren. Diese Verwendung von AR ist zu einem leistungsstarken Lernwerkzeug für die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal geworden.

Augmentierte Psychotherapie: Grundlagen, Indikationen und Methode

Die Augmentierte Psychotherapie kombiniert den Einsatz von Medikamenten mit bestimmen Atemtechniken, sowie die Lichteffekte – unter anderem – von Stroboskopen. Sie richtet sich an Menschen die unter Traumatisierungen, Zwangsstörungen (Neurosen), oder Angststörungen (Phobien) leiden, aber auch an Depressive, bei denen herkömmliche Therpieverfahren nicht zum Erfolg geführt haben. Das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten ist groß und erweitert sich durch die praktische Erfahrung stetig.

Der Klient wird durch Methoden der klassischen Gesprächs -und Verhaltenstherapie in die Lage versetzt, sich in einem entspannten und sicherem Setting, mit Unterstützung von visuellen Impressionen oder akustischen Reizen, mit einem neuen Spektrum der eigenen Wahrnehmung auseinanderzusetzen. Begleitet durch Fachärzte für Psychiatrie, Anästhesiologie und qualifizierten PsychotherapeutInnenin, wird unter genauer Absprache, der therpeutische Verlauf medikamentös vertieft.

Die Grundlagen für diese Form der psychotherapeutischen Intervention, kommen aus der modernen Gehirnforschung und sie nutzt die umfangreichen Erkenntnisse der substanz-unterstützten Psychotherapie (Psycholyse).

Transkranielle Magnetstimulation plus Ketamin: Auch in Spanien wird erfolgreich gearbeitet

rebecca-price-ketamin-assistierte-therapieIn Spanien forscht Frau Dr. Rebecca Price  (Bild rechts) mit der Ketamin-Infusionstherapie. Die Erfolge übertreffen bei weitem die Erwartungen. Ketamin entfaltet seine Wirkung unter anderem am GABA- und am NMDA-Rezeptorsystem. Ziel der Behandlung ist eine Erhöhung der Neuroplastizität bei Neubildung von Nervenzellen im Gehirn.

Das hat für Abhängige von illegalisierten Substanzen, wie Heroin oder auch Kokain weitreichende Folgen in der Therapie, auch wenn die Kausalitäten noch nicht komplett nachvollzogen werden können.

Galt die herkömmliche Therapie bei Abhängigkeit von Kokain als sehr schwierig und wenig aussichtsreich, versprechen wiederholte Ketamin-Infusionen – eingebettet in eine Gesprächstherapie – als neuer Stern am Rehabilitationshimmel.

Buchtipp: Dirk Revenstorf, Matthias Ohler, Frauke Nees, Bernhard Trendle (Hrsg.) Ketamin und psychoaktive Substanzen in psychotherapeutischen Prozessen (Verlag für systemische Forschung)

Podcast zum Thema Ketamin in der Psychotherapie

Im Nachtleben feiert Ketamin im Berliner Raum seit einigen Jahren ein großes Revival. Es kann aber auch bei Depressionen eingesetzt werden, zum Beispiel als Nasenspray bei akuter Suizidalität. Auch als Ergänzung zur therapeutischen Behandlung ist Ketamin sinnvoll. Wie Ketamin als Medikament in der Psychotherapie eingesetzt werden kann und was der Unterschied zum Konsum in der Freizeit ist, erfahrt ihr in dieser Folge mit dem Experten Sergio Pérez Rosal.

Augmentierte Psychotherapie: Pioniere und klinische Studien

Nicht nur in Deutschland werden psychedelische Behandlungen in hochwertigen klinischen Studien getestet. Diese sind in Universitäten oder bei privaten New Pharma-Unternehmen angesiedelt. Bei wenigen Pionieren wie der OVID Clinic Berlin, wird bereits heute eine substanz-unterstützte Behandlung angeboten, zum Beispiel die Ketamin-augmentierte Psychotherapie.

Weiterführende Links zum Thema

mind-foundation
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Die MIND Foundation ist eine europäische gemeinnützige Wissenschafts- und Bildungsorganisation, die die psychedelische Forschung und Therapie fördert. Ihre Arbeit baut auf dem neurobiologischen und psychologischen Potenzial von Psychedelika auf, um die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden in einem klinischen Umfeld zu verbessern; für welche die wissenschaftliche Basis stetig wächst. Dass die psychedelische Therapie kommt, ist wahrscheinlich. Es wird erwartet, dass in den USA in wenigen Jahren MDMA als Therapiesubstanz gegen posttraumatische Belastungsstörungen zugelassen wird. Im Bundesstaat Oregon darf bereits mit Psilocybin behandelt werden.


Informationen auch unter: Neue Hoffnung für Depressive in der „Welt“ vom 10.03.2014.


Informationen auch unter: Ketamin hilft bei Depressionen  im „Deutsches Ärzteblatt“ vom 25.04.2018.

Heilung durch Atmen: Holotropes Atmen nach Grof

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Holotropes Atmen (oder: holotrope Atemarbeit, vom griechischen holos „ganz“ und trepein „sich richten auf“ oder „sich begeben“, „auf Ganzheit ausgerichtet“) ist eine von Stanislav Grof entwickelte Atemtechnik, durch die man in Erfahrungsbereiche eintreten kann, die dem Bewusstsein im Allgemeinen nicht zugänglich sind (englisch nonordinary states of consciousness).

Das Ziel dieser Technik ist die Bearbeitung und Integration bislang unzureichend integrierter Persönlichkeitsanteile und eine „Hinbewegung auf Ganzheit“, was durch den Begriff holotrop zum Ausdruck gebracht werden soll.

Nachtschatten-Verlag, Schweiz

350 Seiten, 4. Auflage, Softcover A5

ISBN: 978-3-03788-280-1


Bilder mit freundlicher Genehmigung vom Nachtschatten-Verlag, Schweiz, Solothurn
von der MIND-Foundation und von Wikipedia

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