MDMA und Asperger-Autismus

MDMA und sein Nutzen für Betroffene aus dem Autismusspektrum

Das so genannte Asperger-Syndrom wurde im Jahr 1943 nach dem Kinderarzt Hans Asperger benannt (klicke zur Anmerkung unten) und ist eine, dem Autismusspektrum zugehörige „Entwicklungsstörung„. Allgemein wurde das Asperger-Autismus-Syndrom erst nach 1981 anerkannt, nachdem in diesen Jahren die Arbeit von Asperger in England fortgesetzt wurde. Aufgenommen in das bekannte Klassifikationssystem ICD der WHO wurde das Asperger-Syndrom erst 1992. Es wird dort eingestuft als eine Form des Autismus, welcher oft keine Entwicklungsverzögerung bzw. keinen Entwicklungsrückstand der Sprachbildung oder der kognitiven Entwicklung mit sich bringt.

Asperger-Autismus: Entwicklungsstörung versus psychische Krankheit

Es kann durchaus sein, dass man einen Menschen mit der Diagnose „AspergerAutismus“ trifft und nicht darauf kommen würde, dass dieser eine „Entwicklungsstörung“ mitbringt.

Eine Entwicklungsstörung ist angeboren und bleibt Teil der Persönlichkeit. Eine psychische Krankheit kann zwar auch chronisch sein, doch das ist hier etwas ganz anderes. Deshalb sprechen wir beim Asperger-Autismus von einer Entwicklungsstörung und nicht etwa von einer psychischen Krankheit.

Das Autismusspektrum: Besonderheiten und Merkmale

Der Asperger-Autismus im Kindesalter variiert je nach den zugrundegelegten Diagnosekriterien. Erste Anzeichen und Symptome treten etwa ab dem 3. Lebensjahr auf. Es sind oft verzögerte motorische Leistungen, Ungeschicklichkeit und stereotypes Verhalten. Es gibt gleich mehrere (!) Diagnoseverfahren zur Feststellung einer Störung aus dem Autismusspektrum. Diese Tests erlauben nur eine grobe Einschätzung.

Eine Diagnose, insbesondere bei Erwachsenen, ist mehr als schwierig!

Das Kontakt- und Kommunikationsverhalten von Personen mit Asperger-Autismus kann merkwürdig und ungeschickt erscheinen. Merkmale sind Besonderheiten und Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation. Menschen, die von Störungen aus dem Autismusspektrum betroffen sind, können Mimik, Gesichtsausdrücke oder ganz allgemeines Verhalten ihres Gegenübers nicht immer richtig einorndnen – meiden auch oft den Blickkontakt. Deshalb kommt es an dieser Stelle manchmal zu Mißverständnissen und es fällt schwer, auf die gängige Art und Weise in Beziehung zu treten.

Auch haben Asperger-Autisten einen Hang, Muster zu suchen, zu erkennen und zu immitieren. Oft unbewusst. Auch gibt es eine fast unüberwindliche Neigung zu einem bestimmten „Lebensthema“. Das kann sich in Malerei, im Anordnen von Objekten im Raum, oder anderen strukturellen Eigenarten ausdrücken.

Neurodiversität und Neurotypisch: Feinheiten rund um das Autismusspektrum

Das ich von Betroffenen, aus dem Autismusspektrum und Anderen, als „Neurotypisch“ bezeichnet, also auch eingeordnet werde, war mir völlig neu.

Es gibt inzwischen durchaus nicht nur eine gesellschaftliche Anerkennung der mindestens 3 Formen von Autismus – dem Kanner-Syndrom (auch frühkindlicher Autismus genannt), der atypische Autismus und eben Asperger. Offiziell und von medizinischer Seite ist man – mit allen Vor- und Nachteilen – dazu über gegangen, nicht mehr den Begriff „Asperger“ zu verwenden und die bisher unterschiedlichen Formen von Autismus nicht mehr zu differenzieren, sondern generell von Personen, die sich im „Autismusspektrum befinden„, zu sprechen.

Politische Aktivist:innen im Geiste der Anti-Psychiatrie-Bewegung, sprechen überhaupt nur noch von „Neurodiversität“ und halten bereits eine Differenzierung zwischen den ehemals als „Entwicklungsstörungen“ bezeichneten Eigenschaften einer Person, für politisch nicht mehr vertretbar.

asperger-autismus

Neurodiversität trifft auf Einsamkeit: Gemeinsames Erleben trotz Autismus, mit MDMA?

Heute wird Autismus – auch gerade von Betroffenen – politisiert, bis hin zu einer Haltung, in der eine abstrakte Neurodiversität das Wort Entwicklungsstörung ablösen soll. Wem das helfen soll, oder jetzt schon schadet, bleibt hier offen. Wenn das Subjekt glücklich ist, sind diese Kopfgeburten inhaltsleer. Fragt man nach, sieht meist anders aus:

Bei all‘ dem, leben Asperger-Patienten in ihrer ganz eigenen Welt, zu der in der Regel, ein ungeübter Beobachter nur sehr begrenzten Zugang erhalten kann. Und Autisten haben leider auch nur begrenzten Zugang zu der Welt der sogenannten „Neurotypischen“. „Das ist wie eine unsichtbaren Wand, sie sperrt ein und andere aus“. Es fühlt sich an, wie das Gegenteil von gemeinsam.

Aussage eines Asperger-Autisten

Im Gegensatz zu „Kanner-Autisten“ (s.g. High-Functioning-Autism), ist beim Asperger-Autismus weder die Intelligenz, noch die Sprachbildung beeinträchtigt.

Eine Reihe von Menschen mit „High-Functioning-Autismus“ und vor allem auch betroffene Asperger, haben von einer Verbesserung ihres subjektiven Erlebens nach der Einnahme von MDMA berichtet. Sie konnten „den Anderen“ besser verstehen und interpretieren und zugleich ihre eigene Gefühlswelt frei von Zweifel annehmen und ordnen.

MDMA zeigt sich hier vielversprechend für die Behandlung von Autismus. Denn die Wirkung von MDMA, also die entaktogene Wirkung gepaart mit der Erhöhung der Empathie, und eine Verbesserung der Kommunikation sind genau die Fähigkeiten, welche die Autismus–Störung „zersetzt“.

Zumindest wärend der Wirkung von MDMA – so berichten viele Betroffene – fühlen sich Autisten authentisch, haben das Gefühl der Teilhabe und der Integration.

Es gibt in der Charité gerade ein Forschungsprojekt mit MDMA und PTBS.

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MDMA: Bericht eines Asperger-Betroffenen zur Wirkung von MDMA

Ich habe Asperger und es fällt mir extrem schwer, meine Emotionen zu zeigen. Ich lache jedoch, wenn die Dinge lustig sind, aber es ist sehr schwierig, meine Emotionen auszudrücken. Soziale Situationen sind immer super peinlich, ich habe gelernt, zu versuchen, Emotionen vorzutäuschen und ein Lächeln zu erzwingen, wenn es angemessen ist. Aber ich bin mir sicher, dass es unnatürlich aussieht. Ich habe all diese Hemmungen und Ängste, es zu vermasseln oder das Falsche zu sagen und beurteilt zu werden, dass ich einfach nicht wirklich viel sage, es sei denn, die Leute sprechen über ein Thema, in dem ich mich sicher fühle.

Bevor ich auf die ganze illegale Drogensache eingehe, möchte ich Ihnen nur ein wenig über mich selbst erzählen. Ich bin 20 Jahre alt. Früher habe ich Webentwicklung für eine Großstadt hier im Silicon Valley gemacht. Ich habe mich davon entfernt und arbeite jetzt Vollzeit als Programmierer bei einer Softwarefirma. Ich habe keinen College-Abschluss, und ich habe mir so ziemlich alles beigebracht, was ich weiß (mit Hilfe dieser Sache, von der Sie vielleicht gehört haben, dass sie „das Internet“ genannt wird). Gehen Sie also bitte nicht davon aus, dass ich dumm bin, weil ich die Entscheidung getroffen habe, eine illegale Droge zu konsumieren.

Ich habe ein Testkit, das ich online gekauft habe und mit dem ich jede Charge MDMA, die ich kaufe, teste. Wenn ich Meth / Piperazin oder etwas anderes als reines MDMA / MDA finde, werfe ich es weg.

Ich nehme seit etwa einem Jahr regelmäßig reines MDMA, nicht wegen der euphorischen Effekte (obwohl es schön ist), sondern weil ich mich „normal“ fühle, wenn ich darauf bin. Ich habe nicht mehr all diese Hemmungen, die mich ständig zurückhalten. Ich bin gesprächig, egal was das Thema ist. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass ich hineinpasse. Ich kann Empathie, Glück und sogar Wut / Traurigkeit ausdrücken, wenn ich muss. Ich fühle, dass ich für diese kurzen Stunden einen Platz in dieser Welt habe. Ich bin kein Ausgestoßener oder Einzelgänger mehr, ich bin nur noch eine andere Person. Ich werde einfach so akzeptiert, wie ich bin. (Quelle: reddit.com)

Verhalten eines Asperger-Betroffenen auf einem Festival

Ich selbst hatte im Jahre 2016, auf einer Open-Air-Veranstaltung einmal eine Begegnung mit jemandem, der unter Asperger „leidet“. Natürlich hatte diese Person kein T-Shirt an, auf dem stand: „Ich habe Asperger“. Nein. Vor mir stand eine hochgradig aggressive Person, die paradoxerweise ein T-Shirt trug, auf dem ein Bild von Albert Hofmann prangerte. Nicht nur deshalb war von Anfang an anzunehmen, dass er unter dem Einfluss von LSD stand.

Die Person kam schon sehr aufgebracht in die Nähe unseres „Spaces“ – damals „eclipse“. Immer, wenn einer von uns – und wir schickten zunächst natürlich nur „Männer“ zu ihm – also niemand von uns war in der Lage, diesen potenziellen „Besucher“, der ja durchaus am richtigen Platz war – hier bei „eclipse“ angessen zu betreuen. Und niemand konnte ihn auf die „richtige Weise ansprechen“. Geschweige denn, runterbringen, von seiner eindeutig aggressiven Art und Weise auf unsere Mitarbeiter zuzugehen.

Zum Glück hatten wir einen Psychotherapeuten dabei, der Erfahrung hatte mit Autismus und Asperger-Patienten. So wechselten wir die Person, welche mit ihm sprach einfach aus und hofften das Beste. Dieser „neue“ – im Sinne von „erstmalig dabei gewesene Psychotherapeut“, sagte zu ihm:“Sag‘ mal hast du Asperger?“ – Und sofort änderte sich das Verhalten seines Gegenübers. Wie in einem Film, indem sich der Betroffene, plötzlich und sehr unerwartet daran erinnert, was eigentlich mit ihm los ist, so schnell änderte sich sein Verhalten.

Er wurde sehr unmittelbar ruhig und stand vor „unserem“ Psychoteherapeuten, der ihm versicherte, dass er in einem geschützem Bereich ist. Er bot ihm – nach einem kurzem Gespräch – an, gemeinsam in unser Zelt zu gehen, welches zu dieser Zeit zum Glück leer war (es war tagsüber, Mittag) und begann nach einem kurzem Gespräch, gemeinsam mit ihm in einem Buch zu lesen. Jeder für sich.

MDMA-unterstützte Psychotherapie für Autismus-Studie soll genehmigt werden

Wir begrüßen die Vorschläge für eine von MAPS (Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies) geförderte Pilotstudie für den Einsatz von MDMA bei dem Asperger-Syndrom und Störungen im Bereich des Autismus-Spektrums von interessierten Forschern.

MAPS bietet einen Zuschuss von 10.000 Dollar für die Entwicklung und Aufwendungen für diese Pilotstudie. MAPS wirbt für ein etabliertes Forschungs-Team, das auch eine gute Chance hätte, die Beschaffung von Mitteln für die Forschung von anderen etablierten Agenturen vorzubereiten. Zur Zeit hat MAPS noch nicht die Mittel für die Studie selbst.

Zur Erleichterung der Entwicklung von Protokollen und Plänen zur Finanzierung hat MAPS zahlreiche anekdotische Berichte von Menschen mit Autismus-Störungen, die MDMA verwendet haben, gesammelt. Viele von ihnen sehen MDMA als sehr hilfreich an.

Wenn Sie, oder jemand, den Sie kennen, selbst unter den genannten Syndromen leiden und positive oder negative Erfahrungen mit MDMA bei einer Selbstmedikation gemacht haben, können Sie sich auch direkt mit MAPS in Verbindung setzen unter der E-Mail-Adresse berra@maps.org (Lead Clinical Research Associate, Herrn Berra Yazar-Klosinski, Ph.D.).

Was ist MAPS?

MAPS ist ein Zusammenschluss von Forschern, Institutionen und Interessierten, welche auf der Grundlage humanistischer Therapieverfahren seriöse Studien in dem Bereich psychedelische Substanzen in Auftrag geben und durchführen; und das vor allem als Reaktion auf die heutigen unverhältnismäßig schwierigen Möglichkeiten, mit diesen Substanzen zu arbeiten, da diese Substanzen aus politischen und marktwirtschaftlichen Gründen verboten wurden.

https://youtu.be/TJl-yewI5sQ

Warnung zur Selbstmedikation bei Asperger

Trotz der zukünftig geplanten MDMA-Studien zur Erleichterung der Behandlung des Asperger-Sydroms, sollte man MDMA zur Selbstmedikation in einem unkontrollierten Setting ohne entsprechende Begleitung auf keinen Fall anwenden, wenn man selber an dem Asperger-Syndrom leidet!

Anmerkungen zu Herrn Hans Asperger

Viele Menschen, gerade Betroffene aus dem Autismusspektrum, sind nicht sehr glücklich mit der Tatsache, dass hier mal wieder eine „Krankheit“ mit dem Namen eines Menschen verbunden wurde.

Denn Hans Asperger war ein strammer Nationalsozialist (auch wenn er nach dem 2. Weltkrieg in Österreich fälschlich als „minderbelastet“ eingeschätzt wurde, weil er behauptetete seine Position genutzt zu haben, um Kinder vor dem Tod zu bewahren).

Er war in der berüchtigten Klinik „Spiegelgrund“ am nationalsozialistischen Kinder-Euthanasie-Programm mehr als beteiligt. Salopp ausgedrückt: Er „rette“ durch die Unterscheidung bei autistischen Kindern, die „brauchbaren“ Asperger und die „unbrauchbaren“ (frühkindlichen) Autisten wurden ermordet.

Quelle: https://autismus-kultur.de/hans-asperger/

Weblinks und Veröffentlichungen zum Thema MDMA in der Psychotherapie:

Artikel im Stern zum Thema MDMA in der Psychotherapie

Artikel im Tagesspiegel: Vom potenziellen Nutzen von MDMA in der Psychotherapie

Artikel im Focus zu MDMA in der Psychotherapie

Schweizer LSD-Studie mit Patienten mit Krebsleiden (Solothurner Zeitung, Interview mit Peter Gasser)


Anmerkung von K.H.M.: Ich möchte an dieser Stelle dir, Mona, danken, für die erhellenden Worte und die Zeit, die du dir genommen hast, um das fast unbesprechbare Erleben, welches in einem Subjekt vorgeht, doch in Worte zu kleiden. Das Besondere unserer Konversation wird nur durch deine Bescheidenheit übertroffen. Danke für diese Erfahrung.

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